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LIMINA - Grazer theologische Perspektiven
Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2
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Page - 223 - in Limina - Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2

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223 | www.limina-graz.eu Eugen Dolezal und Moritz Windegger | KI – Künstler oder Werkzeug? sei es ein Musikstück oder ein Gedicht, das auf Basis der Lyrik eines Dichters „vollendet“ wird. Die Maschine entreißt dem Kunstwerk einen ihm ureige- nen Teil und produziert gleichzeitig etwas Neues. Der Teil, der dem Kunst- werk durch die maschinelle Fortschreibung entrissen wird, ist das genuin menschliche Moment seiner eigenen Genese. Selbst wenn dem Produkt der Künstlichen Intelligenz eine eigene Aura zuschreibbar ist, so ist diese doch grundverschieden von jener des Originals und mindert doch gleichzeitig dessen Aura. Das ist alleine darin begründet, dass der menschliche Vollzug am Kunstwerk, das künstlerische Schaffen des Menschen selbst fehlt. Hinsichtlich der Fortschreibung historischer Kunstwerke gilt dies umso mehr, da, Benjamin folgend, die Veränderungen in der Kunst durch die Veränderungen der Wahrnehmung in der Geschichte bedingt sind (vgl. Benjamin 2015, 18–19). So hatten die Bildhauer der Antike eine andere Wahrnehmung, die sich in ihren Kunstwerken verfestigt, als die Bildhauer der Renaissance. Ebenso wenig wie es Letzteren möglich war, in ihrem Hier und Jetzt eine Statue zu meißeln, die der Wahrnehmung der Ersteren ent- spricht, ist es heute möglich, ein Musikstück zu schaffen, das den Anspruch erheben könnte, der Wahrnehmung von Beethovens Zeit zu entsprechen. Schon alleine aus diesem Grund kann es sich nicht um ein „Fortschreiben“ und schon gar nicht um ein „Vollenden“ handeln. Die Künstliche Intelligenz ist aber nicht nur, wie der Mensch, durch die zeitliche Komponente der Wahrnehmung eingeschränkt, sondern unter- liegt bereits in ihrer ureigenen Konstruktion weiteren Schranken. Die das Kunstwerk konstituierende Wahrnehmung ist nämlich nicht lediglich eine Erfahrung, aus der sich logisch das Kunstwerk ergibt, sie ist immer auch die Erfahrung des Künstlers/der Künstlerin, die ihm/ihr zuteilwerdende persönliche Erfahrung. Diese persönliche Erfahrung ist ungleich mehr als die bloße Information über sie, ist sie doch ein Anteilnehmen an der Wirk- lichkeit (vgl. Spadaro 2012, 104; bes. auch Borgmann 2007). In diesem Kon- text ist daher die Funktionsweise der Künstlichen Intelligenz zu betrachten und danach zu fragen, ob man bei einer Maschine überhaupt von der für die Schaffung eines Kunstwerkes notwendigen „Wahrnehmung“ sprechen kann. Die ein Kunstwerk konstituierende Erfahrung ist immer die persönliche Erfahrung des Künstlers/der Künstlerin.
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Limina Grazer theologische Perspektiven, Volume 3:2
Title
Limina
Subtitle
Grazer theologische Perspektiven
Volume
3:2
Editor
Karl Franzens University Graz
Date
2020
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
Size
21.4 x 30.1 cm
Pages
270
Categories
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