Page - 160 - in Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben - Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
Image of the Page - 160 -
Text of the Page - 160 -
© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
Damit ist bereits die Ebene der bloßenAnalyse undGesellschaftsbetrachtung
überschrittenundeinProgrammformuliert,dasinderSuchenachdemBeitrag
derKirchenundReligionsgemeinschaften fürdensozialenFriedenbesteht.
IndenWortenvon IngeborgGabriel könntemandiesesProgramm, inwel-
chem ich das zweite Grundanliegen ihrerArbeit ausgedrückt sehe, folgender-
maßenformulieren:„DieFrageaufZukunfthinlautet:WaskannderBeitragder
katholischen Kirche [man könnte wohl hinzufügen: der christlichen Konfes-
sionenundauchder anderenReligionen] inder gegenwärtigenpolitischenSi-
tuation sein?“3Wohl nicht zufällig ist von einemBeitragdieRede:Wer einen
solchen leistenmöchte,weißdarum,dass es ein größeres gemeinsamgeteiltes
Anliegengibt,dasdieeigenenMöglichkeitenübersteigtunddieMitarbeitauch
anderer erfordert. Dies bedeutet eine zweifache Herausforderung für Religi-
onsgemeinschaften:Esgibt zumeineneine legitimeErwartungderZivilgesell-
schaftansie,dasssieeinenBeitragzumsozialenFriedenundzumUmgangmit
dengroßenHerausforderungenundProblemenderZeit leisten.DieserErwar-
tungkönnen sie sichnicht aufDauer entziehen. Zumanderen sind sie bei der
Lösung dieser Probleme immer auch auf andere angewiesen. Eine Form des
Dialogs derReligionen, aber auch derReligionenmit säkularenWeltanschau-
ungen, ist unumgänglich.Überdies ist in obigem Zitat von einer „Frage auf
Zukunfthin“dieRede.Theologisch spiegelt sichdarineingrundlegendesVer-
ständnisvonReligionwider: Ihrüberschießendes,niemals indieunmittelbare
Gegenwart zu bringendes Moment (das Transzendente), eröffnet eine Zu-
kunftsdimension.ReligionistmitdemImperativverbunden,dassZukunftsein
soll.
2)Die folgendenÜberlegungennehmen ihrenAusgangspunkt beimÖster-
reichisch-Iranischen Religionsdialog, welcher seit den 1990er Jahren abwech-
selnd inWienundTeheranstattfindet.Als ichselbst zumerstenMal imHerbst
2015inWienaneinerVeranstaltungdieserInitiativeteilnehmenkonnte,gabmir
IngeborgGabriel, die sich vonBeginn an in diesemReligionsdialog engagiert
hat4, nachmeinemReferat eine wohlwollend-kritische Rückmeldung, die für
mich eine wichtige Hilfe darstellte, Genre, Umfeld und Kontext der Beiträge
besser einzuschätzen.Zwei Jahre später erhielt ichvordemAufbruchnachTe-
heran, wo die nächste österreichisch-iranische Dialogkonferenz stattfand, er-
3 Ingeborg Gabriel, Die Menschenrechte als Grundlage der politischen Kultur Europas, in:
theologie aktuell. Die Zeitschrift der theologischenKurse 2/34, S. 4–12, hier: S. 9 [Erstab-
druck: IngeborgGabriel,DieMenschenrechtealsGrundlagederpolitischenKulturEuropas,
in:HelmutRenöckl /AlzˇbetaDufferov# /AlfredRammer(Hg.),RudernaufstürmischerSee:
SozialethischePerspektiven inMitteleuropa,Wien-Würzburg2006,S. 152–161].
4 Vgl.etwaIngeborgGabriel,GerechtigkeitauschristlicherSicht, in:AndreasBsteh/SeyedM.
Mirdamadi (Hg.), Dialog. Gerechtigkeit in den internationalen und interreligiösen Bezie-
hungen in islamischerundchristlicherPerspektive,Mödling1997,S. 51–72.
JakobHelmutDeibl160
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Title
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Subtitle
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Authors
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Editor
- Peter G. Kirchschläger
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 722
- Category
- Recht und Politik