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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
spieltKunst iminterreligiösenDialog?Stellt interreligiöserDialog,dersichmit
BezugaufKunstereignet,einevierte–undd.h.zusätzliche–Dimensiondaroder
aberdurchquert erdieanderendrei?8
2. InterreligiöserDialogalsFormderÖffnung
1) InterreligiöserDialog bedeutet für jene religiösenGemeinschaften, die sich
auf ihn einlassen oder unumgänglichmit ihmkonfrontiertwerden, eine theo-
logischeHerausforderung.TiefewirdderDialogwohlbesondersdannerreichen
können,wennerzurAnfrageandieeigenereligiöseTraditionwird,wiedieseaus
ihren Quellen, Ressourcen, Riten, heiligen Texten und künstlerischen Aus-
drucksformeneineÖffnungauf andere religiöseTraditionenbegründenkann.
Dies meint keine inklusivistische Haltung, welche andere Religionen in den
Horizontdereigenenintegrierenmöchteundihnendamit ihreAndersartigkeit
undFremdenimmt.Vielmehrgeht esdarum, indereigenenTraditionFormen
derÖffnungzufinden,welchezueinerÜberschreitunghinaufeinebestimmte
andereReligionoder andereReligionen imAllgemeinen ermutigenoderdiese
geradezu fordern.9AlsMetapherdafür scheintmir entwederdas ebenverwen-
deteMotivderÖffnungoder aberdasderDezentrierunggeeignet zu sein.De-
zentrierungbedeutet eineVerrückungausdemZentrum,dasmanmeint, allein
und inumfassenderWeisebesetzenzukönnen.
DieElementederÖffnungoderDezentrierung,diesichinderTraditioneiner
Religionfindenlassen,müssenindiesernichtschonimmerundzuallenZeiten
die Rolle der Ermöglichung einer Zuwendung zu einer anderen Tradition ge-
spielthaben.VielmehrkannessichumeinekreativeNeuinterpretationhandeln,
die Motive ans Licht bringt, welche so bisher vielleicht noch nicht gesehen
wurdenodergesehenwerdenkonnten.DiegrundsätzlicheBereitschaft, sichauf
dieSuchenachsolchenMotivenunddiesenDialogeinzulassen, kanndamit zu
einer theologischenErneuerungdereigenenTraditionwerden.Religionensind
weder in sich einheitliche noch in der Geschichte unveränderliche Entitäten,
sondern als höchst wandelbar, dynamisch und innerlich differenziert zu be-
8 Vgl. Mary Anderson, Art and Inter-Religious Dialogue, in: Catherine Cornille (Hg.), The
Wiley-BlackwellCompanionto Inter-ReligiousDialogue,Malden-Oxford2013,S. 99–116.
9 Fürdie alevitischeTraditionhatdiesHandanAksünger treffend formuliert: „Hierbei spielt
auchdieForschungsfrageeineRolle,wiedennreligiösbegründet ausderTraditiondesAle-
vitentums heraus eineAnerkennung der religiös und kulturell Anderen gedacht, vielleicht
sogar gefordert werden kann.“ Es gehe darum, „alevitischeQuellen auf ihre ,Offenheit ge-
genüberdemreligiösundkulturellAnderen‘“hinzulesen,vgl.HandanAksünger/Wolfram
Weiße (Hg.), Alevitische Theologie an derUniversität Hamburg. Dokumentation einer öf-
fentlichen Antrittsvorlesung, Dokumentationsreihe der Akademie der Weltreligionen der
UniversitätHamburg,3,Münster-NewYork2015,S. 10undS.36.
JakobHelmutDeibl162
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Title
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Subtitle
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Authors
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Editor
- Peter G. Kirchschläger
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 722
- Category
- Recht und Politik