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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
tesgeschichtenichtdadurchbestimmtsind,dassnurundeinzig aufdenKoran
referiert wird, vielmehr ein Kon-Text determinierend ist, der sich in einem
vielfältigenVerknüpfungsprozess, in einemhöchst dynamischenRhizomzwar
mitdemKoranverknüpft, abernichtdurch ihndeterminiertwird,könnenwir
einen Schritt weitergehen. Damit schlieĂźe ich u.a. an Shahab Ahmeds bahn-
brechendesWerkWhatisIslam?an.3Also:einWechselvonderGrĂĽndungsebene
aufdiederhistorischenEntfaltungeinerreligiösenTraditioninihrervielfältigen,
dynamischenunddurchausauchwidersprĂĽchlichenGeschichte.
Damit habenwir denBezugsrahmen einer eher theologisch geneigtenDis-
kussionverlassen,diesicherlichderBezugnahmeaufdenGrĂĽndungstextbedarf
–wasdurchauslegitimist–,undauchdenabrahamitischenKontextverlässt,da
sieauchdiesbezĂĽglichderGrĂĽndungstextenicht (mehr)bedarf.
1. ZumKontext (undzumKon-Text)
UmdenKontext der koranischen Exoduserzählung zu verstehen, sei für den
MomentZeilingergefolgt:
„Ich spreche hier bei der islamischen Mose-Rezeption von einer motivlichen Ent-
sprechung (AngelikaNeuwirthwĂĽrde indemZusammenhangwohl spezifischer von
einem typologischenAufgreifen sprechen), da die Entstehung der koranischen Bot-
schaft in der altarabischenKultur zu einer Zeit erfolgte, in der die arabische Schrift
nochnicht voll entwickeltwar.AusdiesemGrundgab es auchkeine schriftliche ara-
bischenarrativeLiteraturundsomit auchkeinearabischenĂśbersetzungenderbibli-
schen Texte. Dennoch spielten die biblischen Ăśberlieferungen der jĂĽdischen wie
christlichenKulturder Spätantike –derHebräischenBibel, derBotschaft der christ-
lichen Evangelien sowie der nach- wie auch auĂźerbiblischen Fortschreibungen im
jüdischenunddersowohljüdischenwiechristlichenapokryphenLiteratur–inundfür
dieEntfaltungderkoranischenBotschafteineRolle. InsbesonderedieMose-Figurund
dasExodus-Motivwerden(unabhängigvondenkonkretenhistorischenBezügen, auf
diedie spätantikeKulturkeinehistorisch-reflektiertenZugriff hatte, sondern aufdie
ErzählungenundihreTradierungangewiesenwar)aufgegriffenundindiekoranische
Botschaft integriert.“4
DiesmagandieserStellefĂĽrdieNachzeichnungderLiniengenĂĽgen,diesichaus
der spätantikenSituation indiekoranische schlagen.
3 Ahmed Shahab,What is Islam? The Importance of Being Islamic, Princeton-Oxford 2016.
4 Zeilinger, Repräsentation, S. 231Fn.34 gestützt aufAngelikaNeuwirth,Die koranischeVer-
zauberungderWelt und ihreEntzauberung inderGeschichte, Freiburg i. Br. 2017undAn-
gelikaNeuwirth, DerKoran als Text der Spätantike: Ein europäischer Zugang, Berlin 2010
sowieKarl-Josef Kuschel, Die Bibel imKoran:Grundlagen für das interreligiöseGespräch,
Ostfildern2017.
RĂĽdigerLohlker216
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Title
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Subtitle
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Authors
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Editor
- Peter G. Kirchschläger
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 722
- Category
- Recht und Politik