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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
1. EmmanuelChukwudiEzesKritikanKwasiWiredusKonzept
der„konsensuellen“Demokratienach„afrikanischem“
Vorbild
1.1. Wiredus„konsensdemokratischesModell“
IneinemArtikelaus1996hatWiredueinkonsensuellesModellderDemokratie
vorgeschlagen,3 das auf traditionellen afrikanischenWeisen der Legitimation
politischerHerrschaftberuht.DiesesseizurLösungderpolitischenProblemein
den jungenafrikanischenStaatenbesser geeignet als die importierteFormder
„Mehrheitsdemokratie“.Ergreift dabei–nachdemerdieVerschiedenheit afri-
kanischerpolitischerSystemekurzanspricht–aufKofiBusiasDarstellungdes
politischen SystemsderAshanti zurĂĽck.4Hinsichtlich der vonFortes / Evans-
Pritchard getroffenen Unterscheidung zwischen Gesellschaften mit zentraler
Autorität und solchen, dieman aufgrund des Fehlens der letzteren als „anar-
chistisch“bezeichnenkönnte, bemerkt er, dass „Konsensualität“ inwenigzen-
tralisiertenGesellschaften nicht unbedingt stärker ausgebildetwäre als in sol-
chenmitstarkerZentralmacht.5ErsuchtnunamBeispielderAshantizuzeigen,
wiedieMachtdesAshantehene6mitkonsensuellerDemokratieverbundenwar,
resp. auf ihr beruhte. Grundlage des politischen Systemswaren Lineagesmit
ihrenOberhäuptern, diewiederuminausmehrerenFamilienverbändenbeste-
henden politischen Einheiten dem regierendenRat angehörten. Das Amt des
„Chiefs“ in letzterenwar zwar erblich, aber der geeignete Kandidat wurde in
3 OhneeinsolchesModell imDetail auszuarbeiten.
4 KofiA.Busia,ThePositionof theChief intheModernPoliticalSystemofAshanti.AStudyof
ContemporarySocialChangesonAshantiPolitical Institutions,London1968.
5 Für„anarchistische“nennterBembaundBanyankole, für„zentralisierte“AshantiundZulu
und verweist dafĂĽr aufMeyer Fortes / Edward E. Evans-Pritchard (Hg.), African Political
Systems,4.Aufl.,Londone.a.1950;dieeinzigeQuellezuafrikanischenpolitischenSystemen
auĂźerhalbderAkan-Sprachgruppe,dieerzitiert.
6 DerAshanteheneistderHerrscherübereineArtFöderationvonAshanti-Staaten(zudiesers.
Busia,Position,S. 85–101; zumAshanteheneebd., S. 96–99; s.a.EdwardGeoffreyParrinder,
DivineKingshipinWestAfrica,in:Numen3/1956,S. 111–121,hier:S. 111).EristauchHaupt
des Rats eines der 7Hauptclans der Ashanti, welchem 7weitere Chiefs angehören (Busia,
Position, S. 218).DasAshantireich entstandum1700, alsOseiTutuausdenAshanti-Gesell-
schafteneine„singlestrongunion“geformthat(RobertO.Collins/JamesM.Burns,AHistory
of Sub-Saharan Africa, 2. Aufl., Cambridge 2014, S. 140; s.a. Busia, Position, S. 96), von
Vansinaals„Föderation“bezeichnet(s.u.,Anm.31).DieEinheitwurdedurcheinengoldenen
Stuhl,denderPriesterOkomfoAnokyevomHimmelgebrachthatte,symbolisiert, indemdie
SeelederAshanti enthaltenwar, zuder sieTreue schworen (Collins /Burns,History, S. 140;
Busia,Position,S. 96;Parrinder,Kingship,S. 112).
HansGeraldHödl240
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Title
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Subtitle
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Authors
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Editor
- Peter G. Kirchschläger
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 722
- Category
- Recht und Politik