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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
leygehtdannaufpräkolonialeFormenafrikanischerDemokratieein.28Ernennt
5 Formen dezentralisierter29 und 2 Formen zentralisierter Gesellschaften, die
jedoch demokratisch verfasst gewesen seien: „Pyramidale“ und „verbinden-
de“.30Als typischpyramidaleGesellschaftnennterdasYorFb#KönigreichO`.yo´.,
indemausLineage-HäupterngebildeteRätedemKönigals zentralerAutorität
gegenüber standen.31 „Verbindende“meint, dass zusätzlich zuLineages reprä-
sentierendenRäten diese transzendierende „zivilgesellschaftliche“Komites an
der Entscheidungsfindung Teil haben.32Gegen die These durchgängig demo-
kratischer Verfasstheit afrikanischer Königreiche spricht die schon 1962 von
JanVansinaunter strukturellemGesichtspunkt getroffeneUnterscheidungvon
5TypenafrikanischerKönigreiche,unterdenenauchdasvonBusiadargestellte
Ashanti-Königtum angeführt wird.33Vansinas Darstellung lässt es zweifelhaft
erscheinen, dass in „traditionellen“ afrikanischenGesellschaften alle Bevölke-
rungsgruppen in einen konsensuellen Entscheidungsprozess eingebunden
waren.34WiredusAusführungenwerfen auchdie Frage auf,35ob „sakralesKö-
nigtum“ in Afrika stets unpolitisch verstanden wurde, im Sinne einer klaren
Scheidung von sakraler Legitimation des Herrschers36 von auf derĂśberzeu-
gungskraft von Ideen beruhender politischer Legitimation. Lt. Vansinawaren
28 „Throughout[…]theprecolonialera,Africanpoliticalsystemswereessentiallydemocratic“
(Ebd.,S. 415).ErnenntdieauchvonWireduzitierteStudieBusiasalsEvidenzdafĂĽr,dasses
„extensiveanthropologicalevidenceofdemocraticgovernanceinindigenousAfricanstates“
gibt–mankannsichernsthaft fragen,wiemanauseinerStudiezueinerwestafrikanischen
Gesellschaft ein solchesgeneralisierendesUrteil ableitenkann.
29 Ebd., S. 414–416; diesewerden hier, wo auf Sozietätenmit Zentralmacht fokussiert wird,
nichtberĂĽcksichtigt.
30 Ebd., S. 416;mit „verbindende“habe ichBradleysAusdruck„associational“übersetzt.
31 Ebd.:„federalpoweriscounterbalancedinakindofchecksandbalances“;aufO`.yo´.geheichu.
näherein.
32 Ebd.,S. 417;BradleyberĂĽcksichtigtwederdieWiredu-Eze-KontroversenochJanVansina,A
ComparisonofAfricanKingdoms, in:Africa: Journalof the InternationalAfricanInstitute
32/1962,S. 324–335.
33 AlsdaseinzigeBeispiel fürdenTypus„Föderation“: „Theonlyclearcaseofa federation in
Africa seems to be theAshantiUnion.Here the king rules over the external affairs of the
federationof chiefs, overwhichhepresides.He is thenonlyprimus inter pares“ (Vansina,
Comparison,S. 333).DieEinteilunginfĂĽnfTypenergibtsichauszweiVariablen,demGrad
anZentralautorität undderNachfolgeregelungderChiefdoms a) in der königlichenLinie
oder b) in aristokratischen Abstammungslinien hereditär oder c) vomKönig eingesetzt.
34 So,wennereinenTypus„despotisch“nennt(„Thekingappointsallotherofficialsandwields
absolute power“;Vansina,Comparison, S. 333); Beispiele sind etwaBunyoro,Ruandaund
Kongo im16. Jahrhundert (dassKongospäter andersorganisiertwar,weist aufdieAhisto-
rizität vonWiredusArgumentationhin).
35 Eine Frage, die Eze zwar theoretisch, aber nicht anhand von historischen Beispielen ab-
handelt.
36 Inrein„symbolischer“, „mythischer“, „religiöser“Bedeutung.
HansGeraldHödl244
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Title
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Subtitle
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Authors
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Editor
- Peter G. Kirchschläger
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 722
- Category
- Recht und Politik