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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
mĂĽssen daher innerhalb und auĂźerhalb ihrer Gemeinschaften dieMenschen-
rechte allerMenschenachten, schĂĽtzen,durchsetzenundzu ihrerRealisierung
beitragen.DennalleMenschenbleibenauch ihnengegenüberTrägerinnenund
Träger vonMenschenrechten. Anders formuliert gebenMenschen an derKir-
chentĂĽr,beimBetreteneineshinduistischenoderbuddhistischenTempels,beim
Aufsuchen einer SynagogeoderbeimAusziehender Schuhe amEingangeiner
Moscheenicht ihreMenschenrechteab…
AndenStaaten liegt es demzufolge, sich auch aktivdafĂĽr einzusetzen, dass
Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften nicht den Menschenrechts-
schutzbeeinträchtigenunddasssie ihreVerantwortungfürdieMenschenrechte
wahrnehmen. FĂĽr Staaten und fĂĽr Religions- und Weltanschauungsgemein-
schaftenbedeutetdiesebenfalls,OpfernvonMenschenrechtsverletzungendurch
Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften Zugang zu wirksamen Me-
chanismenzurWiedergutmachungundStreitbeilegungzuverschaffen.
AufgrunddermoralischenBegrĂĽndungderMenschenrechte korrespondie-
renmitdiesenpositiveundnegativePflichtenfürdieDuty-Bearers–primärdie
Staatenund sekundär in einerKomplementarität dazunichtstaatlicheAkteure
(wie z.B. Religions- undWeltanschauungsgemeinschaften) –, weil denmora-
lisch begrĂĽndet menschenrechtlich geschĂĽtzten AnsprĂĽchen aller Menschen
entsprochenwerdenmuss. DennMenschenrechte bildenmoralisch begrĂĽnd-
bareAnsprĂĽcheallerMenschenaufkorrespondierendePflichtennegativerund
positiver Natur (Unterlassungspflichten, Hilfspflichten, Schutzpflichten) und
Ermächtigungsrechte (die Einrichtung von Institutionen bildet die zu ihnen
korrespondierende Pflicht), die in erster Linie, aber nicht allein den Staaten
zukommenunddenen Staaten sowohl auĂźerhalb als auch innerhalb vonReli-
gions-undWeltanschauungsgemeinschaftennachkommenmĂĽssen.
Sollten essentielle Elemente und Bereiche der menschlichen Existenz aller
Menschen, die einMenschbraucht, umzuĂĽberlebenundalsMensch zu leben,
auĂźerhalb und auch innerhalb von bzw. durch Religions- undWeltanschau-
ungsgemeinschaften verletzt werden – z.B. durch Diskriminierung und Un-
gleichbehandlung19 –, dann kommen die mit den Menschenrechten korre-
spondierenden staatlichen Pflichten zumTragen. Der Staat ist demnach dazu
verpflichtet, angesichtsvonMenschenrechtsverletzungen–seiensieaußerhalb,
seiensie innerhalbvonReligions-undWeltanschauungsgemeinschaften–aktiv
zuwerden, einzugreifenunddiesezustoppenundvorzubeugen.20
19 Vgl. ChristophElsas / EdithFranke /Angela Standhartinger (Hg.),Geschlechtergerechtig-
keit:HerausforderungderReligionen,Berlin2014.
20 Vgl. FranzHeribertKöck,DieGrundrechte imSpannungsfeld vonKircheundStaat –un-
terbelichteteAspektedesProblems, in:StefanHäring(Hg.), Inmandatismeditari, FSHans
Paarhammer, Berlin 2012, S. 1035–1054, hier: S. 1043; SusanMollerOkin, Justice, Gender
LiberalerRechtsstaat 311
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Title
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Subtitle
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Authors
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Editor
- Peter G. Kirchschläger
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 722
- Category
- Recht und Politik