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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 â ISBN E-Lib: 9783737011655
1. DieBedeutungdesislamischenSchleiersâHinweiseausder
Zeichentheorie
Eine der amkontroversesten diskutieren Fragen des âKopftuchstreitsâ ist, ob
Hijab9, Burka10,Niqab11, Chador12, Jilbab13beziehungsweiseBushiya14 religiöse
oder lediglich politische Symbole oder letztlich ĂŒberhaupt bloĂ Zeichen der
UnterdrĂŒckung der Frau sind. Die Bedeutung der Beantwortung dieser Frage
liegtnichtzuletztdarin,dassjenachEinschÀtzungunterschiedlicheRechtezum
Tragen kommenund so auch die Frage ob Frauen gezwungenwerden dĂŒrfen
oderdazubefreitwerdenmĂŒssenderartigeKleidungsstĂŒcke inderĂffentlich-
keit abzulegenhöchstunterschiedlichbeantwortetwird.
FĂŒr eine ersteAnnĂ€herung andieseThematik erweist sich einBlick auf die
Zeichentheorie und den Bedeutungsgehalt von Symbolen als hilfreich. Dabei
zeigt sich, dass einTeil der Schwierigkeit diese zu interpretierenauchdarinzu
sehen ist, dass Symbole (von griech. syÂŽmbolon), wie Cassirer15 betonte, als
Darstellung beziehungsweiseHinweis auf etwasAnderes â imGegensatz zum
Zeichenânie invölligerKlarheit auf ihrenBezugsgegenstandverweisen.Viel-
mehr verfĂŒgen sieĂŒber eine gewisseOffenheit, die sich letztlich auchdadurch
erklĂ€rt,dassâdiegegenstĂ€ndlicheEntsprechung,diezueinandergehörigeDinge
auszeichnet, [âŠ] erst im Hinblick auf die durch die Erinnerung beteiligter
Menschen hergestellte Sinngebung ,sinnfĂ€lligâ [wird].â16DieseĂberlegungen
derZeichentheorie aufgreifendunterscheidet SusanneK.Langer zwischendis-
9 Hijab als englische Transkription von arabisch NqMoHI. Im Folgenden im engeren Sinn ver-
wendet als Bezeichnung fĂŒr ein islamischesKopftuch, dasHaare, Ohren,Hals sowieAus-
schnittbedeckt.
10 DieBurkaisteinweitesGewand,dasĂŒberdenKopfgezogenwirdunddenweiblichenKörper
biszudenZehenkomplettverhĂŒllt.DasGesichtsfeld istmiteinemundurchsichtigenGitter
bedeckt,dasdasSehennachvorneermöglicht.
11 DerNiqabisteinGesichtsschleier,derdasGesichtbedeckt,dabeiabermeisteinenSchlitzfĂŒr
dieAugen freilÀsst.WirdhÀufig inVerbindungmit einemChador/Abayagetragen.
12 DerChador ist einweitesTuch,dasĂŒberdienormaleKleidunggezogenwirdundsoKopf,
KörperundHaarekomplettverhĂŒllt,dasGesichtwirddabei freigelassen.DerChadorhatâ
imGegensatz etwa zur Burka â keinenVerschluss undwird someistmit Nadeln zusam-
mengesteckt.
13 Jilbab imKontext von Indonesien bezeichnet einKleidungsstĂŒck, das den ganzenKörper
sowie dieHaare bedeckt. ImKontext vonNordafrikabezeichnet es gewöhnlich ein langes
Kleid.
14 BushiyaoderGhatwabezeichneteindĂŒnnes schwarzesTuch,dasalsGesichtsschleierdient
undmeist inVerbindungmitNiqabgetragenwird.
15 Vgl.ErnstCassirer,PhilosophiedersymbolischenFormen,3Bde.,1.Aufl.,Berlin1923â1929,
Nachdruck,10.Aufl.,Darmstadt1994.
16 DietmarMieth, Symbol, in:HubertCancik / BurkhardGladigow /Karl-HeinzKohl (Hg.),
HandbuchreligionswissenschaftlicherGrundbegriffeV:SĂ€kularisierungâZwischenwesen,
Stuttgart2001,S. 134â138,hier: S. 135.
Religions-undWeltanschauungsfreiheit alsTeil derFrauenrechte 381
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
BeitrÀge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Title
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Subtitle
- BeitrÀge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Authors
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Editor
- Peter G. KirchschlÀger
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 722
- Category
- Recht und Politik