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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
möglich. Bei keiner analogenAussage darf jemalsübersehenwerden, dass bei
allerÄhnlichkeitdieUnähnlichkeitnochgrößerist14.ImGrundistauchdieRede
vonGott als Person eine analogeAussage, ausgehendvonder Selbsterfahrung
desMenschen als Person.DieGeschichte zeigt aber,wie dermenschlichePer-
sonbegriff vonBeginn an inWechselwirkungmit demGeheimnis Gottes ent-
wickeltwurde.
DieOffenbarungsreligionensprechennunvoneinerSelbstmitteilungGottes
in derGeschichte derGlaubenserfahrungderReligionsgemeinschaft. Bei aller
Übereinstimmung, die einen Dialog überhaupt erst möglich macht, sind die
Differenzen imUmgangmitdieserAnalogiedochnochgrößer.
WennderSchöpfergott ein einsamerGott ist, dannkanneralsPersonnicht
ohneBeziehung zu anderenPersonengedachtwerden indieserAnalogie.Das
aber bedeutet, dass die einsame göttliche Person eine Schöpfung und in ihr
personale Geschöpfe gleichsam braucht. Der Mensch als Person ist also im
tiefsten theologisch „gebraucht“ und nicht freigegeben in sein Eigensein. Er
kanninseinerEigenwürdenichtwirklichwahrgenommenwerden.DerMensch
istnichtwirklichfrei,alles ist imletzten„kismet“.SchöpfungalsGabedesSeins
andasGeschöpfzumSelber-SeininFreiheit,setztindieserAnalogievoraus,dass
Gott diesesGeschöpf nicht braucht,weil er in sich selbst vollendete personale
Gemeinschaft istundkeineinsamer.15
InderHeilsgeschichtedesaltenunddesneuenBundes teiltGott sich immer
transparenter (wirsprechenvonOffenbarung)mit, vomBeginnanaberalsdas
schöpferische Geheimnis, das seine Nähe zusagt und verheißt (Gen.3,14).
TranszendenzundNähewachseninderGeschichteseithernichtgegeneinander,
sondernmiteinander. DerGott, der größer ist als allesDenkbare und jenseits
aller unserer geschaffenen endlichen Vermögen, kommt uns als Mensch un-
sagbarnaheundwirduns imGeist desMenschgewordenen innerlicher alswir
unsselbstsind.(AugustinusformuliertdiesineinemSprachspielDeussuperior
summomeoet interior intimome).
Dies zeigt sich auch in der biblischenGottesrede.WennGott spricht, dann
sprichtderVaterJesuChristi.16GegenEndedesNeuenTestamentssprichtimmer
häufiger „derHeilige Geist“ als Subjekt göttlicher Rede (Offb. 2,7 u.ö. 22,17).
JesuswirdalsdasWortGottes schlechthinbezeichnet, indemGott sich restlos
ohneVorbehalteausspricht.Dasses sichnichtnurumeinepädagogischeRede
14 Vgl. zum 4. Laterankonzil: Heinrich Denzinger, Kompendiumder Glaubensbekenntnisse
undkirchlichenLehrentscheidungen,hrsg.vonPeterHünermann,37.Aufl.,Freiburg-Basel-
Wien1991,806.
15 GisbertGreshake,DerdreieineGott.EinetrinitarischeTheologie,Freiburg-Basel-Wien1997,
bes. S. 467ff.
16 vgl.KarlRahner,TheosimNeuenTestament, in:SchriftenzurTheologieI,Einsiedeln1956,
S. 91–187.
GünterVirt410
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Title
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Subtitle
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Authors
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Editor
- Peter G. Kirchschläger
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 722
- Category
- Recht und Politik