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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
biologischenMutterschaft einbesonders engesundüber vieleMonate sich er-
streckendes Verhältnis zwischen Kind und schwangerer Frau entsteht. Dieser
engen undmit Gefühlen verbundenen Beziehung ist die Bezahlungmit Geld
nichtangemessen.Manchesehen in ihr schondeshalb einenWürdeverstoß.
Begründete Befürchtungen gehen vor allem in Richtung einer Ausbeutung
vonökonomisch schlecht situiertenFrauenundeiner FörderungderBequem-
lichkeit von vermögenden Frauen, die die Mühen des Kinderbekommens an
andere delegierenmöchten (in der Fachliteratur gibt es hierfür denTerminus
„Kommodifizierung“). Als bestesMittel, das Entstehen einesHandelsmit Ei-
zellenundLeihmutterschaft auszuschalten, erschien bisher derenvollständige
Verbote. Inzwischenhatsichallerdingsgezeigt,dassdiesebestehendenVerbote
in nicht unbeträchtlicher Zahl umgangenwerden, indemman in Länder aus-
weicht, wo diese Verfahren legal sind. Schon allein durch die Existenz eines
solchen „Tourismus“ geraten die entsprechenden nationalen Verbote unter
Druck. Verzweifelte Eltern, die bisher erfolglos ein Kind wünschten, können
nichtnachvollziehen,dass ihneneinmedizinischesVerfahren,dassdieChance
eröffnet, trotz allerSchwierigkeitendochnochzueinem(genetischwenigstens
zumTeil) eigenenKind kommen zu können, staatlicherseits verweigert wird.
AußerdemzeigtdieZulassungderEizellspendebzw.derLeihmutterschaft in
vielenLändern,dassesauchsozialeKonstellationengibt, indenenökonomische
Anreize ausgeschlossen werden können und die primäre Motivation offen-
sichtlich in derAbsicht liegt, einer gut bekannten Frau zu helfen (sogenannte
altruistischeSpendenbzw.Tragemutterschaften).
InsgesamthandeltessichbeiderFrageSpendeundAufwandsentschädigung
um ein hoch sensibles Feld. Die Semantik des Spendens ist von vornherein
positivbesetztundkanndeshalb inderAuseinandersetzungauchdazu führen,
dass ganz heterogene Motive und Interessen miteinander vermengt werden.
Beim heutigen Stand der Praxis kann eine zufriedenstellende und wirksame
Regelungvielleichtnurnochdurch internationalesRechterreichtwerden.
3. VerantwortungundKontingenzbewusstsein
Was inder juristischenLiteratur seit einigerZeit gerne„reproduktiveAutono-
mie“ genannt wird, hat in der Sprache der theologischen Ethik seit denDis-
kussionen um die Empfängnisverhütung in den 1960er Jahren eine Entspre-
chung,nämlich: „verantworteteElternschaft“.Dasmag fürmancheOhrenbe-
tulichklingen.AberdieserBegriffverortetdas,worumesgeht,ineinemanderen
bzw.ineinemganzheitlicherenanthropologischenKontext,nämlichdemjenigen
derEntscheidungfürElternschaftzueinemKind.Elternschaftaber istmehrals
„Fortpflanzung“(einBegriff,derausderBotanikstammendnurdasbiologische
KonradHilpert424
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Title
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Subtitle
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Authors
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Editor
- Peter G. Kirchschläger
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 722
- Category
- Recht und Politik