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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
Anders gelagert ist der Fall anderUniversitätWien. ImWintersemester 2017/
18habendieProfessorinnenundProfessorenderdortigenKatholisch-Theolo-
gischenFakultätzumletztenMalihreVorlesungenindenHörsälengehalten,die
seit 1884,demDatumderFertigstellungdesHauptgebäudesderUniversität an
derRingstraße,derkatholischenTheologie zugewiesenwaren.DieSäle im im-
perialen Prachtbau, der seinerzeit vom Architekten Heinrich von Ferstel
(1828–1883)imStilderHochrenaissancegeschaffenwurde,warenhochundhell,
siebotenidealeRahmenbedingungenfĂĽrdieLehre.GleichwohlhatdasRektorat
wegen verschärfter Brandschutzbestimmungenund erhöhten Bürobedarfs für
neu berufene Professuren per Erlass entschieden, diese Hörsäle im zweiten
Obergeschossaufzugebenundbaulichumzuwidmen.AbdemSommersemester
2019wurdederLehrbetriebder katholischenTheologie daher indasUnterge-
schossderUniversitätverlegt.ManchehabendiesbedauertundindemVorgang
aucheinesymbolischeDegradierunggesehen.ZuUnrecht!DenndieArgumente
der Universitätsleitung waren der Sache nach gut begründet, auch ließ eine
solche von einerHermeneutik desVerdachts geleitete Kritik unbeachtet, dass
andere Fächer vonderRegelung ebenfalls betroffen sind. Sie vergaß, dass die
TheologiekeinePrivilegienbeiderHörsaalzuweisunggeltendmachenkann.
Hellhörig machte hingegen der eher beiläufig gegebene Hinweis, dass im
ZusammenhangderHörsaalverlegungauchdiereligiösenSymbole–willsagen:
die Kruzifixe –von denWänden verschwinden sollten. Die Sache war umso
misslicher,alsdazukeinentsprechenderinneruniversitäreroderinnerfakultärer
Konsultations- oderMeinungsbildungsprozess stattgefundenhatte. DasArgu-
ment des Rektorats lautete: DieNutzung der neuenHörsäle solle zentral ver-
waltetund fächerübergreifendgeregeltwerden,umeineoptimaleRaumauslas-
tungzuerzielen.ManlegteWertaufdieFeststellung,dassdieUniversitätWien
nichtdieKreuzeausdenHörsälenverschwinden lasse, sonderndasseskünftig
keineHörsäle fürdieTheologiemehr gebenwerde.Dasmagman für sophisti-
catedhalten,aberderUnterschiedverdientBeachtung.DieTheologieverlormit
denHörsälendieMöglichkeit,diesedurcheigenereligiöseSymboleöffentlichzu
kennzeichnen.DasErgebniswardennochdasGleiche:KreuzewĂĽrdeesanden
WändenderHörsälekeinemehrgeben!
3. DerAbschiedvomKreuz– religionsrechtlichalternativlos?
DerVorgangistreligionspolitischdelikatundlohntauchimAbstandvoneinem
Jahr noch einen rĂĽckblickenden Kommentar. Kirchendistanzierte Kreise ver-
tratenbekanntlich schon längerdieAuffassung, dass an einer staatlichenUni-
versität religiöseSymbolenichts zusuchenhaben. Siehieltenesdennauch für
einenüberfälligenAkt,dieKruzifixealsRelikteeinerproblematischenSymbiose
Kreuzesabnahme 433
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Title
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Subtitle
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Authors
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Editor
- Peter G. Kirchschläger
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 722
- Category
- Recht und Politik