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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
rechtigkeitdasauchverrechenbareMindestmaßderLiebe,weilLiebedabeidas
Übermaß seinkann. Ineiner solchenDynamik findenGerechtigkeitundLiebe
ihreninnerenZusammenhang,dernichtdarinseinenAusdruckfindet,dassein
Mehr an Gerechtigkeit ein Weniger an Barmherzigkeit oder Liebe bedeutet,
sonderndarin, dass dieser Zusammenhang eine aufeinander bezogene Steige-
rungzumZielhat.
4.2. DerMarkt–nureineFragederTauschgerechtigkeit?
DieFrageistnun,wiesolchesaufdemMarktzumTragenkommenkönnte,einem
Markt,der jagerade inder jetzigenFormnicht immeralseinOrtder liebenden
Begegnung angesehenwerdenkann, obwohl gerade diese oftmarktgemäß ge-
staltet zuwerdendroht.ÜberdieZuordnungzurausgleichendenbzw.Tausch-
gerechtigkeit, „die die Beziehungen des Gebens und Empfangens zwischen
gleichwertigenSubjekten regelt“ (Nr. 35), hinaus istderMarkt, umethischan-
nehmbare Ergebnisse zu erzielen, darauf angewiesen, dass distributive Ge-
rechtigkeit und darüberhinausgehend soziale Gerechtigkeit als Voraussetzung
und als Ergebnis desMarkthandelns das Fundament bilden. EinTauschunter
stark Ungleichen weist nicht nur die Tendenz auf, zu problematischen wirt-
schaftlichenErgebnissenzuführen,sondernerbirgtauchdieGefahrinsich,die
Gesellschaft zuspalten.
„DennwennderMarkt nurdemPrinzip derGleichwertigkeit der getauschtenGüter
überlassenwird,isternichtinderLage,fürdensozialenZusammenhaltzusorgen,den
er jedochbraucht,umgutzu funktionieren.Ohnesolidarischeundvongegenseitigem
VertrauengeprägteHandlungsweiseninseinemInnerenkannderMarktdieihmeigene
wirtschaftlicheFunktionnichtvollkommenerfüllen.“ (Nr. 35)
DannfügtBenediktnochhinzu:„Heute istdiesesVertrauenverlorengegangen,
undderVertrauensverlust isteinschwererVerlust.“Weiterheißtes inCaritasin
veritate:
„Esist imInteressedesMarktes,Emanzipierungzufördern,aberumdieszuerreichen,
darfersichnichtnuraufsichselbstverlassen,denneristnichtinderLage,vonsichaus
das zu erreichen,was seineMöglichkeitenübersteigt. Ermuss vielmehr auf diemo-
ralischen Kräfte anderer Subjekte zurückgreifen, die diese hervorbringen können.“
(Nr. 35)
Hier wäre Politik gefragt. „Es darf daher nicht vergessen werden, dass die
TrennungzwischenderWirtschaftstätigkeit,derdieAufgabederSchaffungdes
Reichtums zukäme, undderPolitik, die sichmittelsUmverteilungumdieGe-
rechtigkeit zu kümmern habe, schwere Störungen verursacht.“ (Nr. 36) Das
bedeutet nunnicht einenRufnacheiner integralistischenPolitik,dasbedeutet
Wirtschaft–mehralsWirtschaft:SozialethischeBemerkungen 593
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Title
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Subtitle
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Authors
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Editor
- Peter G. Kirchschläger
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 722
- Category
- Recht und Politik