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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
zeigtsie,dasssieauchdieanderenbeidenFormenbraucht,dieLogikderPolitikunddie
LogikdesGeschenksohneGegenleistung.“ (Nr. 37)
ErstindieserdreifachenBezugnahmewirdWirtschaftzudemKulturprojekt,das
sie aufgrundder in ihrhandelndenMenschenundder vielfachenQualität der
Handlungsebenen, die Bedarfsdeckung, Zusammenleben und Beziehung zum
Ausdruckbringen,ist.DabeiistesgenaudiesesIneinander,dasheutegefragtist.
In Bezugnahme auf die Nummer35 der Enzyklika Centesimus annus seines
VorgängersJohannesPaulII.siehtBenediktdieNotwendigkeiteinesSystemsmit
dreiSubjekten:demMarkt, demStaatundderZivilgesellschaft.Wörtlichheißt
esdann inderNummer38zurPositionseinesVorgängers:
„In der Zivilgesellschaft sah er den geeignetsten Bereich für eineWirtschaft derUn-
entgeltlichkeitundderBrĂĽderlichkeit,abererwolltediesenichtfĂĽrdieanderenbeiden
Bereiche ausschließen. Heute könnenwir sagen, dass dasWirtschaftsleben als eine
mehrdimensionaleRealität verstandenwerdenmuss: In allenmuss inunterschiedli-
chemUmfang und in eigenen Formen der Aspekt der brĂĽderlichen Gegenseitigkeit
vorhandensein. InderZeitderGlobalisierungkanndieWirtschaftstätigkeitnichtauf
dieUnentgeltlichkeit verzichten, diedie Solidarität unddasVerantwortungsbewusst-
seinfĂĽrdieGerechtigkeitunddasGemeinwohlinseinenverschiedenenSubjektenund
Akteurenverbreitetundnährt.Eshandeltsichdabeischließlichumeinekonkreteund
tiefgründigeFormwirtschaftlicherDemokratie.“
EntgegendenverabsolutierendenfunktionalenDifferenzierungenwirdhierdie
EinbettungderWirtschaftbetont–unddasalsNotwendigkeitbesonders inder
heutigenZeit.
Somit ist aber ein neuer Typ von Unternehmen gefordert. Wie „die nach
wechselseitigenundsozialenZielenstrebendenProduktionsverbände“(Nr.38),
die der Papst einfordert, nun konkret organisiert sein sollen, damit diese
„Kreuzung und Vermischung der unternehmerischen Verhaltensweisen“ und
eine spürbare„ZivilisierungderWirtschaft“ (Nr.38)Platzgreifenkann,das ist
einewesentlicheFrage.UndwieistesmitdengewinnorientiertenUnternehmen:
SinddiesevonderUnentgeltlichkeit„befreit“,odergiltauchfürsie,dasssieohne
dieUnentgeltlichkeitdieGerechtigkeit nicht erreichenkönnen? Ist esnichtdie
QuadraturdesKreises,wennesabschließendinderNummer38heißt:„Liebein
derWahrheit bedeutet in diesem Fall, dass jenenwirtschaftlichen Initiativen
Gestalt undStruktur verliehenwird, die denGewinn zwar nicht ausschlieĂźen,
aberüber die LogikdesÄquivalenzprinzips unddesGewinns als Selbstzweck
hinausgehen wollen.“ Offenbar sind damit nicht nur als gemeinnützig kon-
struierteNichtregierungsorganisationenoderVereinegemeint, sondern inder
konkretenWirtschaftstehendeUnternehmen.ĂśberdieumverteilendeWirkung
des Staates hinaus bedarf es da auch der Präzisierung dessen, wasUnentgelt-
lichkeitkonkretbedeutenkönnte.DerPapst schreibt:
Wirtschaft–mehralsWirtschaft:SozialethischeBemerkungen 595
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Title
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Subtitle
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Authors
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Editor
- Peter G. Kirchschläger
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 722
- Category
- Recht und Politik