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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847111658 – ISBN E-Lib: 9783737011655
Niedrig-Einkommen-VerdienerunddieDefinitiondesMinimal-undexistenz-
sicherndenLohns (sieheunten).
Der zweite Aspekt der inhaltlichen Frage derUnternehmensverantwortung
betrifft das AusmaßderUngleichheit:Waswirdmit „weniger“ Einkommens-
ungleichheit gemeint?Wohlverstanden, die Frage zielt nicht auf eine absolute
Gleichheit für alle, sondern sucht eine Antwort in der Richtung aufweniger
Einkommensungleichheit. Dies kann auf verschiedeneWeisen erfolgen. „We-
niger“kannsichaufdieganzeEinkommensverteilung imUnternehmenbezie-
henundmit verschiedenenKoeffizienten (zumBeispiel demGini-Koeffizient)
gemessenwerden.12Eine andere Art derMessung unterscheidet verschiedene
Segmente (zumBeispiel unterstes und oberstesQuintil) undmisst derenVer-
hältnis (zum Beispiel 1:20). In diesem Beitrag wird vorgeschlagen, die Un-
gleichheitderEinkommenalsVerhältnisvonexistenzsicherndemLohn(„living
wage“) und (höchstem) Entschädigungspaket („compensation package“) des
Geschäftsführers („ChiefExecutiveOfficer“) zuerfassen.MitdiesemIndikator
könnennichtnur relative (zumBeispiel 20mal größer), sondernauchabsolute
Größen erfasst werden. Zudem gibt er konkretere wirtschaftliche und außer-
wirtschaftliche Vergleichspunkte innerhalb und zwischen den Unternehmen
und inderGesellschaft.
MitHilfedieserbegrifflichenKlärungenwirdder InhaltderUnternehmens-
verantwortung für weniger Einkommensungleichheit als „ein angemessener,
wohl begründeter und ausführbarerVorschlag“ unterbreitet, der die Ziele des
existenzsichernden Lohns am unteren Ende und das „annehmbare“ oberste
EinkommenamoberenEndederVerteilung festlegt. FürbeideFixpunktewer-
denethischeundwirtschaftlicheArgumentegeltendgemacht.
2.3. Unternehmensverantwortung fürdieZahlungvonwenigstens
existenzsicherndenLöhnen
AlsersteAnnäherungkannderexistenzsicherndeLohn(„livingwage“)definiert
werden als „derGeldbetrag, den ein vollzeitlicherArbeitnehmer benötigt, um
entwederdieGrundbedürfnisse imLebenzudeckenoderdieArmutsgrenzezu
übersteigen.ErgründetaufdemPrinzip,dassMenschen,dievollzeitigarbeiten,
genugGeldmachenkönnen,umihreFamilienfinanziellzuunterstützen.“13Der
existenzsicherndeLohnisteinealteForderungundhatunzähligeKontroversen
12 SieheAmbrosLüthi,MessungwirtschaftlicherUngleichheit,Berlin1980.
13 DenisCollins,LivingWage, in:RobertW.Kolb (Hg.), EncyclopediaofBusinessEthics and
Society, 2.Aufl.,ThousandOaks2018,S. 2102–2105(übersetztvonG.E.).
Unternehmensverantwortung fürwenigerEinkommensungleichheit 655
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Title
- Menschenrechte und Gerechtigkeit als bleibende Aufgaben
- Subtitle
- Beiträge aus Religion, Theologie, Ethik, Recht und Wirtschaft
- Authors
- Irene Klissenbauer
- Franz Gassner
- Petra Steinmair-Pösel
- Editor
- Peter G. Kirchschläger
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1165-5
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 722
- Category
- Recht und Politik