Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Kunst und Kultur
Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Page - 105 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 105 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

Image of the Page - 105 -

Image of the Page - 105 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

Text of the Page - 105 -

4 SonderfallMozart WolfgangAmadéMozart, seineMusik, dieDokumen- tation seines Lebens, aber auch die Rezeption sei- nesWerkes stellen in der SalzburgerMusikgeschichte einen Sonderfall dar. Der herausragende Status des Komponisten, zunächst als „Wunderkind“, später als Genie oder einfach als außergewöhnlicherMensch, be- wog schonZeitgenossen dazu, ihm erhöhtes Interesse entgegenzubringen. Diese erhöhte Aufmerksamkeit derMit- undNachwelt zeitigte eineVielzahl anDoku- menten, angefangenvomteilweise schonmitBlickauf Zeitgenossen und Nachwelt verfassten Briefverkehr der FamilieMozart1 über Erwähnungen in anderen Quellen2, verschiedenenTagebüchern (Schidenhofen3, Hagenauer4 etc.) undZeitungen; sie ist auch dieUr- sache dafür, dass diverseMozart-Quellen und deren Derivatenichtnur reichlicher vorhanden sind, als dies fürandereSalzburgerMusikerderFall ist, sondern für dieWissenschaft zumgrößtenTeil auch leicht zugäng- lich sind. SowohlMozartsWerke als auch zahlreiche Quellen zu seinerBiographie und zurRezeption sei- nerMusik sind inEditionen greifbar und haben eine unübersehbare Zahl an exegetischer und kommentie- render Literatur nach sich gezogen. Für die Musikgeschichtsschreibung, die sich mit dem Salzburger Musikleben des 18. Jahrhunderts beschäftigte, ist das ‚PhänomenMozart‘ Segen und Fluch zugleich: So ließen sich aus den gut erschlos- senenQuellen zahlreiche Informationen undHinter- gründezumSalzburgerMusiklebengewinnen,dieaber oftmals allzu leichtfertig durch die ‚Mozart-Brille‘5 1Bauer/Deutsch:Mozart. Briefe undAufzeichnungen. 2Deutsch,OttoErich:Mozart. Die Dokumente seines Le- bens,Kassel:Bärenreiter 1961, (WolfgangAmadeusMozart. NeueAusgabe sämtlicherWerke, X/34);Eisen, Cliff:Mo- zart. Die Dokumente seines Lebens. Addenda. Neue Folge, Kassel: Bärenreiter 1991; u.a. 3Angermüller/Angermüller/Bauer:SchidenhofenTage- buch. 4Hahnl/Angermüller/Angermüller:Hagenauer. Tagebü- cher. 5Vgl. diverseKommentare LeopoldMozarts zuHofmusikern, diemanchmal unreflektiertEingang in die Literatur fanden und dasBild derNachwelt entscheidend beeinflussten, z.B. seinKommentar zurBestellungMichaelHaydns alsOrga- nist derDreifaltigkeitskirche: „Wermeinst duwohl ist orga- nist bey der hl. Dreyfaltigkeit geworden? ––H[err] Haydn! betrachtet wurden – als seien die Mozarts die ob- jektivstenChronisten ihrer Zeit gewesen oder als sei MozartsMusik immer schon als Inbegriff und ‚Höhe- punkt‘ SalzburgerMusikwahrgenommenworden, die dasMusikleben der Stadt ähnlich hätte dominieren können,wie das heute der Fall ist. DassKanonbildungenzuVerwerfungeninderWahr- nehmung vonGeschichte und zuMissverhältnissen in derenDarstellung führen, ist ein bekanntes Phä- nomen. JacquesHandschin hatte „alsHistoriker ein schlechtesGewissen“,weil er in seinerMusikgeschich- te imÜberblick Johann SebastianBach „verhältnis- mäßig viel Raumgewidmet“6 hatte. Er artikulierte damit einUnbehagen ob der narrativenÜberbelich- tung einer Figur im historischen Prozess, das Carl Dahlhausmit seinemberühmtenDiktum,man kön- ne die „Musikgeschichte des 18. Jahrhunderts [...] ohne Bach oder an ihm vorbei schreiben [...], die des 19. Jahrhunderts nicht“7, auf denPunkt brachte. Unabhängig von der Triftigkeit der Feststellung im Detail erweist sich die Fruchtbarkeit dieses Gedan- kens umgehend, wenn man hiervon ausgehend die Frage nachMozarts Stellung innerhalb der Salzbur- gerMusikgeschichte stellt: Denn sie zwingt uns, ein SalzburgerMusikleben neben und ohneMozartwahr- zunehmen, anhanddessen erstMozarts Einfluss auf selbiges zu ermessenwäre.Wiewenig geläufig diese scheinbar einfacheÜbung ist (und alswie entbehrlich sie mitunter erscheint), erweist schlaglichtartig die praktisch kompletteNichtbesprechung JohannErnst Eberlins undLuigiGattis in der letzten großenPubli- alles lacht, der ist ein theurerOrganist. nach ieder Lytaney sauft er ein Viertl wein: zu den übrigen diensten schickt er denLipp, und derwill auch sauffen.“Bauer/Deutsch: Mozart. Briefe undAufzeichnungen, Bd. 2, S. 212, der ei- neAlkoholsucht JohannMichaelHaydns undFranz Ignaz Lipps andeutet, die in anderen relevanten Quellen nicht bestätigtwird. 6Handschin, Jacques; Brenn, Franz (Hrsg.): Musikge- schichte imÜberblick,2.Auflage,Luzernu.Stuttgart:Räber 1964, S. 329. 7Dahlhaus, Carl:Grundlagen derMusikgeschichte, Köln: Gerig 1977, S. 248. 105
back to the  book Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult"
Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Title
Musik am Dom zu Salzburg
Subtitle
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Authors
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Publisher
Hollitzer Verlag
Location
Wien
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Size
21.0 x 30.2 cm
Pages
432
Category
Kunst und Kultur
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Musik am Dom zu Salzburg