Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Kunst und Kultur
Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Page - 109 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 109 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

Image of the Page - 109 -

Image of the Page - 109 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

Text of the Page - 109 -

schnitte JohannErnst Eberlins befinden.DasErgeb- nis dieserBeschäftigungmit demKirchenstil waren nicht nurKompositionenwie das „MisericordiasDo- mini“KV222, in demWolfgangAmadéMozart das Thema vonEberlinsOffertorium „Benedixisti“ verar- beitete, sondern eineVertrautheitmit dem„kirchen Styl“, den er sich „vonn Jugend auf [...] ganz eigen gemacht habe“, wie er noch 1790 in einemEntwurf zu einemGesuch anErzherzogFranz vonÖsterreich betont.27 SeineerstenMesskompositionenKV49undKV139 schriebMozart, nachdemdieBeschäftigung schon im Altervon10JahrenaufdergroßenEuropareisebegon- nenhatte28,während einesAufenthalts derFamilie in Wien 1768/69,wobeiKV139,wie auch dasOffertori- um„Benedictus sitDeus“KV117,wahrscheinlich für die Einweihung derWaisenhauskirche amRennweg bestimmtwar. IndieZeit nach seinerErnennungzum fürstlichenKonzertmeister fallen danndie nächsten beidenMessen KV 65 und 66, die bereits für Salz- burg entstanden, letztere für diePrimiz seines älteren Jugendfreundes Dominikus Hagenauer in St. Peter. Erstere ist noch aufWienerPapier geschrieben und könntemit der Bemerkung LeopoldMozarts in sei- nemGesuch umAuszahlung seineswegen einerReise nachWien zurückbehaltenenGehalts vom 8.März 1769 inVerbindung stehen, dass „sowohl ich alsmein Sohn verschiedenes für dieKiche, sonderheitlich zum GebrauchderHochf:Domkirche, verfertigethaben“29. Die nächsten zehnMessen entstanden dann zwischen 1773, nach seiner Ernennung zumbesoldetenHofkon- zertmeister nach der zweiten Italienreise, und 1777, der vorläufigenEntlassung aus derHofmusikkapelle unddemBeginnderReise nachMannheimundParis. DerGroßteil vonWolfgangAmadéMozartsWerken für die SalzburgerMetropolitankirchewurde in einer Übergangszeit geschaffen: Ende 1771warFürsterzbi- schof Schrattenbach gestorben, und JohannMichael Haydnhatte sichmit einemersten großenWerk, dem 27Bauer/Deutsch:Mozart.BriefeundAufzeichnungen,Bd.4, S. 107. 28Kyrie-FragmentKV33, vgl.Massenkeil,Günther: „Mes- sen“, in: Thomas Hochradner/Günther Massenkeil (Hrsg.):Mozarts Kirchenmusik, Lieder und Chormusik, Laaber: Laaber 2006, (DasMozart-Handbuch, 4), S. 58– 123, hier: S. 58. 29Bauer/Deutsch:Mozart.BriefeundAufzeichnungen,Bd.2, S. 291. Es existiert eineAbschrift für die SalzburgerDom- kirche (D-Ahk,H.K. 1), vgl. weiter unten. Schrattenbach-RequiemMH155, alsKirchenkompo- nist empfohlen. Das heißt aber keineswegs, dass er sofort in größeremAusmaß für dieKomposition von Messen herangezogenwurde.HofkapellmeisterGiu- seppe Lolli war bereits betagt, und deshalb wurde 1772mitDomenicoFischietti (→S. 60) ein neuerKa- pellmeister verpflichtet, dessen Interessen allerdings mehr auf theatralischem als auf geistlichemGebiet lagen. Um die Domkirche mit Musik zu versorgen, standen nurmehrAntonCajetanAdlgasser undLeo- poldMozart zurVerfügung,wobei Letztererwohl in diesen Jahren vor allem seinen Sohn dazu anhielt, in diesenBelangen tätig zuwerden, und dasKomponie- ren selbst ganz oderweitgehend eingestellt hatte. In diesen Jahren entstanden die Missa brevis in G-Dur KV 140, dieTrinitatis-MesseKV 167, eine feierlicheMesse ohne Vokalsolisten, aber die letzte SalzburgerMessemit großemTrompetenchor30, viel- leicht für denDreifaltigkeitssonntag 1773. Für diesen Anlass könnte auch dasTeDeumKV141 geschrie- ben worden sein, weil man an diesem Sonntag im- mer nach demHochamt „wegen der im Jahre 1697 vonGott abgewendetenFeuersgefahr“31 diesenHym- nus anstimmte. Auf zweiMissae breves KV 192 in F und KV 194 in D folgte die berühmte Spatzen- messe KV 220. Eine Missa solemnis in C KV 257 entstand für dieWeihe von IgnazvonSpaur alsKoad- jutor des FürstbistumsBrixen imJahr 1776.32Drei Messen inC (KV 258, KV 259 undKV262) sowie eine – nicht sicher datierbare – Missa brevis in B KV 275 beschlossen diese fruchtbare Phase inMo- zartsMessenschaffen.Daneben entstanden die zwei SakramentslitaneienKV125 undKV243, eine Lau- retanische LitaneiKV195, zweiRegina coeliKV108 undKV 127, als erste Auseinandersetzungmit der VesperkompositionDixit undMagnificatKV193und verschiedene andere kleinereKirchenkompositionen. Damit avancierteWolfgang AmadéMozart in den 1770er-Jahren überraschenderweise zumHauptliefe- rantenvonKirchenmusik fürdenSalzburgerDom: Im Vergleich dazu sind vonLeopoldMozart undGiusep- 30Laubhold: „Gatti, Colloredo und die Salzburger Trompe- tenmusik“, S. 132. 31Vgl.Gottesdienstordnung, S. 25,Übertragung→S. 30. 32Hermann-Schneider, Hildegard: „Die ‚Missa Solemnis‘ KV257 imDiözesanarchivBrixen:DasNotenmaterial der Uraufführung von Mozarts ‚Spaur-Messe‘“, in: Mozart- Studien, 18 (2009), S. 23–47. 109
back to the  book Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult"
Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Title
Musik am Dom zu Salzburg
Subtitle
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Authors
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Publisher
Hollitzer Verlag
Location
Wien
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Size
21.0 x 30.2 cm
Pages
432
Category
Kunst und Kultur
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Musik am Dom zu Salzburg