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5 Aspekte derAufführungspraxis
erfolgte hier aus akustischenGründen, da in diesem
Werk neben einer solistischen Trompete („NB. nel
ChorodiViolini“) einkomplettervierstimmigerTrom-
petenchormitPaukenVerwendungfindet.Durchzwei
weitereWerkeKarlHeinrichBibers (A 799,A 1605)
ist für diese Zeit dasVorhandensein von drei Fagot-
ten inChortonstimmung (und derenVerwendung im
Dom) belegt, womit sich erhärtet, dass dieNennung
der „Fagottisten. Roth. Sämbhueber. Schulz“213 in
BibersChorordnung von 1746 nicht (ausschließlich)
als Alternativbesetzung, sondern unter Umständen
als reguläreAufstellung der genanntenMusiker auf
demPrinzipal-Chor zuverstehen ist.Mindestens zwei
Musiker konnten aus einer Fagottstimmemusizieren,
der dritte kann die Orgel-, Violone-214, Direktions-
oder fallweise als Ripien-Fagottist auch die dritte
Posaunenstimme ‚mitbenutzt‘ haben, sodass selbst
fürMaterialien mit nur einer ausgeschriebenen Fa-
gottstimmedieAusführung durch dreiMusiker nicht
auszuschließen ist.
Darüber hinaus tauchen in nahezu 70Materialien
auch transponierte Fagottstimmen auf, die den je-
weiligenPart umeinenGanzton höherwiedergeben.
Gemeinsam istdemGroßteil dieserManuskripte, dass
die transponierteStimmezusätzlich zu einer ebenfalls
vorhandenen untransponierten Stimme ausgeschrie-
benwurde.Wiewohl eine transponierteFagottstimme
erstmals1737 ineinerLitaneiBiechtelers (A-Sd,A42)
ausgewiesen ist, handelt es sich um eine Praxis des
letzten Drittels des 18. Jahrhunderts. Am weitaus
häufigsten ist diesePraxis inWerkenMichaelHaydns
zu beobachten, und zwarmit auffälliger Dichte bei
denGraduale-Kompositionen.Auch bei LuigiGatti,
gelegentlich bei Adlgasser und im 19. Jahrhundert
bei JosephHöß erscheinen transponierte Fagottstim-
men; bei letzteremhandelt es sich ganz eindeutig um
die Entfaltung ungewöhnlich großer instrumentaler
Kräfte.
Eher ungewöhnlich sind konzertierendeFagottstim-
men, wie sie in zweiOffertorien (A 657 undA665)
sowie in zwei für dasNepomukfest bestimmtenLau-
213Hintermaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. XIII.
214DieseVariante ist für die zweiteHälfte des 18. Jahrhunderts
durch kombinierteViolone-/FagottstimmenbeiGatti (A-
Sd,A 635,A 641),M.Haydn (A-Sd,A 441) undMozart
(A-Sd,A 1121,A 1128) belegt. retanischenLitaneienLuigiGattis (A696undA699)
anzutreffen sind.
„Bombardon“: In elf Materialien nahezu aus-
schließlich aus dem ersten Drittel215 des 18. Jahr-
hunderts taucht in der einen oder anderen Schreib-
weise die Instrumentenbezeichnung„Bombardon“auf,
inmehrerenFällenmit der alternativen Stimmenbe-
zeichnungFagott.Dabeigibt es sowohlFälle, indenen
die Bezeichnung „Bombardon“ bereits vomHaupt-
schreiber beigefügtwurde (z.B.A 111,A 1357), als
auch solche, indenen„Bombardon“als späterer (auch
mutmaßlichautographer)ZusatzBiechtelers erscheint
(z.B.A 26,A 55). Beide Instrumentenbezeichnungen
begegnen aber auch in separaten Stimmen innerhalb
eines Stimmensatzes (A 203).
Selbst in diesemFall sind aber signifikanteUnter-
schiede der Stimmen nicht auszumachen.Wohl ist
dieAufgabe des „Bombardons“ hier auf dieVerstär-
kung imTutti beschränkt, während die Solostellen
dem Fagott vorbehalten sind, Beschränkungen des
Tonumfangs oder hinsichtlich der spieltechnischen
Leistungsfähigkeit kommen dafür aber nicht in Frage.
Das „Bombardon“ stellte demnach eine klangliche
Alternative oder auchErgänzung zumFagott dar, die
keiner spezifischenNotation bedurfte. Insofern steht
zuvermuten,dassdas„Bombardon“auchüberdiewe-
nigen dokumentiertenFälle hinaus in der Salzburger
Kathedralliturgie zumEinsatz kam.
Umwas für ein Instrument es sich dabei handel-
te216, ist aufgrund der wenigen und wenig spezifi-
schen Stimmennichtmit letzter Sicherheit zu ermit-
teln.Dochdeutet dieEtymologie auf einMitglied der
Pommern-Familie, für derenBass-Größen die italieni-
schenBezeichnungen„Bombardo“und„Bombardone“
inDeutschland bekannt und inGebrauchwaren und
für die eine „hartnäckige kirchenmusikalischeTraditi-
on“bis insmittlere18.JahrhundertetwaauchinHalle
215Ausnahme ist eineMesse inCvonAntonioCaldara (A199),
deren Stimmensatz ca. in den 1740er-Jahren entstanden
ist. Auf demUmschlagtitel wird neben einemFagott auch
„1Bombardom“verlangt, eine entsprechende Stimmewar
anscheinend nie vorhanden, da dieAngabe „Partes 29“ auf
demUmschlagmit der überlieferten Stimmenzahl überein-
stimmt.
216Dassmit demAusdrucknicht der im frühen 19. Jahrhundert
eingeführte gleichnamigeTubavorläufer gemeint sein kann,
steht aufgrund von durch Papier- und Schreiberbefunde
abgesicherten hinreichend genauenDatierungen der Stim-
menundder späternachgetragenenStimmenbezeichnungen
außer Frage.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Title
- Musik am Dom zu Salzburg
- Subtitle
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Authors
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Publisher
- Hollitzer Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Size
- 21.0 x 30.2 cm
- Pages
- 432
- Category
- Kunst und Kultur