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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Seite - 168 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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5 Aspekte derAufführungspraxis erfolgte hier aus akustischenGründen, da in diesem Werk neben einer solistischen Trompete („NB. nel ChorodiViolini“) einkomplettervierstimmigerTrom- petenchormitPaukenVerwendungfindet.Durchzwei weitereWerkeKarlHeinrichBibers (A 799,A 1605) ist für diese Zeit dasVorhandensein von drei Fagot- ten inChortonstimmung (und derenVerwendung im Dom) belegt, womit sich erhärtet, dass dieNennung der „Fagottisten. Roth. Sämbhueber. Schulz“213 in BibersChorordnung von 1746 nicht (ausschließlich) als Alternativbesetzung, sondern unter Umständen als reguläreAufstellung der genanntenMusiker auf demPrinzipal-Chor zuverstehen ist.Mindestens zwei Musiker konnten aus einer Fagottstimmemusizieren, der dritte kann die Orgel-, Violone-214, Direktions- oder fallweise als Ripien-Fagottist auch die dritte Posaunenstimme ‚mitbenutzt‘ haben, sodass selbst fürMaterialien mit nur einer ausgeschriebenen Fa- gottstimmedieAusführung durch dreiMusiker nicht auszuschließen ist. Darüber hinaus tauchen in nahezu 70Materialien auch transponierte Fagottstimmen auf, die den je- weiligenPart umeinenGanzton höherwiedergeben. Gemeinsam istdemGroßteil dieserManuskripte, dass die transponierteStimmezusätzlich zu einer ebenfalls vorhandenen untransponierten Stimme ausgeschrie- benwurde.Wiewohl eine transponierteFagottstimme erstmals1737 ineinerLitaneiBiechtelers (A-Sd,A42) ausgewiesen ist, handelt es sich um eine Praxis des letzten Drittels des 18. Jahrhunderts. Am weitaus häufigsten ist diesePraxis inWerkenMichaelHaydns zu beobachten, und zwarmit auffälliger Dichte bei denGraduale-Kompositionen.Auch bei LuigiGatti, gelegentlich bei Adlgasser und im 19. Jahrhundert bei JosephHöß erscheinen transponierte Fagottstim- men; bei letzteremhandelt es sich ganz eindeutig um die Entfaltung ungewöhnlich großer instrumentaler Kräfte. Eher ungewöhnlich sind konzertierendeFagottstim- men, wie sie in zweiOffertorien (A 657 undA665) sowie in zwei für dasNepomukfest bestimmtenLau- 213Hintermaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. XIII. 214DieseVariante ist für die zweiteHälfte des 18. Jahrhunderts durch kombinierteViolone-/FagottstimmenbeiGatti (A- Sd,A 635,A 641),M.Haydn (A-Sd,A 441) undMozart (A-Sd,A 1121,A 1128) belegt. retanischenLitaneienLuigiGattis (A696undA699) anzutreffen sind. „Bombardon“: In elf Materialien nahezu aus- schließlich aus dem ersten Drittel215 des 18. Jahr- hunderts taucht in der einen oder anderen Schreib- weise die Instrumentenbezeichnung„Bombardon“auf, inmehrerenFällenmit der alternativen Stimmenbe- zeichnungFagott.Dabeigibt es sowohlFälle, indenen die Bezeichnung „Bombardon“ bereits vomHaupt- schreiber beigefügtwurde (z.B.A 111,A 1357), als auch solche, indenen„Bombardon“als späterer (auch mutmaßlichautographer)ZusatzBiechtelers erscheint (z.B.A 26,A 55). Beide Instrumentenbezeichnungen begegnen aber auch in separaten Stimmen innerhalb eines Stimmensatzes (A 203). Selbst in diesemFall sind aber signifikanteUnter- schiede der Stimmen nicht auszumachen.Wohl ist dieAufgabe des „Bombardons“ hier auf dieVerstär- kung imTutti beschränkt, während die Solostellen dem Fagott vorbehalten sind, Beschränkungen des Tonumfangs oder hinsichtlich der spieltechnischen Leistungsfähigkeit kommen dafür aber nicht in Frage. Das „Bombardon“ stellte demnach eine klangliche Alternative oder auchErgänzung zumFagott dar, die keiner spezifischenNotation bedurfte. Insofern steht zuvermuten,dassdas„Bombardon“auchüberdiewe- nigen dokumentiertenFälle hinaus in der Salzburger Kathedralliturgie zumEinsatz kam. Umwas für ein Instrument es sich dabei handel- te216, ist aufgrund der wenigen und wenig spezifi- schen Stimmennichtmit letzter Sicherheit zu ermit- teln.Dochdeutet dieEtymologie auf einMitglied der Pommern-Familie, für derenBass-Größen die italieni- schenBezeichnungen„Bombardo“und„Bombardone“ inDeutschland bekannt und inGebrauchwaren und für die eine „hartnäckige kirchenmusikalischeTraditi- on“bis insmittlere18.JahrhundertetwaauchinHalle 215Ausnahme ist eineMesse inCvonAntonioCaldara (A199), deren Stimmensatz ca. in den 1740er-Jahren entstanden ist. Auf demUmschlagtitel wird neben einemFagott auch „1Bombardom“verlangt, eine entsprechende Stimmewar anscheinend nie vorhanden, da dieAngabe „Partes 29“ auf demUmschlagmit der überlieferten Stimmenzahl überein- stimmt. 216Dassmit demAusdrucknicht der im frühen 19. Jahrhundert eingeführte gleichnamigeTubavorläufer gemeint sein kann, steht aufgrund von durch Papier- und Schreiberbefunde abgesicherten hinreichend genauenDatierungen der Stim- menundder späternachgetragenenStimmenbezeichnungen außer Frage. 168
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Titel
Musik am Dom zu Salzburg
Untertitel
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Autoren
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Verlag
Hollitzer Verlag
Ort
Wien
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Abmessungen
21.0 x 30.2 cm
Seiten
432
Kategorie
Kunst und Kultur
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