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6.1 ZurGeschichte der Sammlung
Die zugleichmit diesemBand als thematischerKa-
talog vorgelegte Reihe A des Dommusikarchivs be-
steht imWesentlichenausdenunter 1. bis 3. beschrie-
benenBeständen, also ausdemStimmenmaterial, das
Domchor undHofkapelle für die Kirchenmusik am
SalzburgerDomvomEnde des 17. bis zurMitte des
19. Jahrhunderts verwendeten.AuchNotenmateriali-
en aus derVerwendung der Salzburger Stadtpfarrmu-
sikantenwurden imLaufederZeit der Sammlung ein-
verleibt, immerwieder sindArchivalien auch anderen
Kontexten zuzuordnen (z.B. Loretokloster, diversen
Bruderschaften,NachlässenvonDomchorvikarenoder
-choralisten etc. wie auch anderenProvenienzen).
Während die Chorbücher bereits in zahlreichen
Dom-Inventaren des 17. und 18. Jahrhunderts er-
wähnt sind3, begann die erste Inventarisierung des
vornehmlichausStimmenabschriftenbestehenden„äl-
terenBestandes“ erst ab 1782 unter Fürsterzbischof
HieronymusColloredo. Sie steht in Zusammenhang
mit der Einstellung des italienischenOpernkomponis-
tenLuigiGatti (1740–1817) alsHofkapellmeister in
Salzburg, indessenAnstellungsdekret ihmderAuftrag
erteilt wurde, dass „die Inventarien richtig gefasset
und verwahret werden, damit der Musique nichtes
entzochenwerde“4. Gatti betrautemit dieserAufga-
be JosephRichardEstlinger (1720–1791), einen der
wichtigstenHofkopisten der damaligen Zeit, der zwei
Exemplare einesCatalogusMusicalis in EcclesiaMe-
tropolitana5 anlegte unddiesemit denBezeichnungen
Archivium bzw.Gatti versah, was bereits vonWalter
Senn überzeugend als Erklärung für den Zweck der
beidenBände6 gedeutetwurde, nämlich „fürGatti,
der jederzeit in der Lage sein sollte, sich über das zur
Verfügung stehendeRepertoire zu informieren, und
fürdasArchiv,wodieNotenhinterlegtwordensind“7.
WobefandsichnundiesesArchiv im18.Jahrhundert?
ManfredHermann Schmid8 geht davon aus, dass
dieNoten, die imDomverwendetwurden, vor allem
im sogenannten „Domkasten“ aufbewahrt wurden,
3Vgl.Hintermaier:Katalog (1992), S. 4–6.
4Anstellungsdekret, Salzburger Landesarchiv,
HZA 1783/1/H., zit. nach Hintermaier: Die Salz-
burger Hofkapelle, S. 91–93.
5AES, ohne Signatur.
6Für eine genaueBesprechung der älterenKataloge und ihrer
Bedeutung vgl. 6.2.
7Senn,Walter: „Der Catalogus Musicalis des Salzburger
Doms(1788)“, in:Mozart-Jahrbuch, 1971/72(1973),S.182–
196, hier: S. 183.
8Vgl.Schmid:Mozart und die Salzburger Tradition, S. 192. undbelegt seineAnnahmemit einerBriefstelle Leo-
poldMozarts vom25./26. Februar 1778, in der dieser
Kasten erwähntwird:
„Deine Schwester allein ist nun meine
Stütze, und ich suche meine Zerstreuung
dermich quellenden Sorgen bey einer nicht
sehr lustigenUnterhaltung, unddiese ist tag
täglich von 6 uhr bis 8 uhr arien, Synfonien
Messen,Vespern etc:mit ihr auf derViolin
mitzuspielen, da sie denGeneralBaß spielt,
und sich imaccompagnieren übet; auch zu
meiner Verwunderung so weit gekommen,
daß sie alles was ich vomdombheraus brin-
ge, es mag fugiert seyn, wie es will, vom
Blathweg spielt, wir werden nach und nach
den ganzenDomkasten ausspielen.“9
Esmehren sich allerdings die Indizien, dass dieMu-
sikalien, die für dieMusik amDombenötigtwurden,
nicht nur imDomkasten, sondern zusätzlich auch an
anderenOrten aufbewahrtwurden.Aus einemBrief-
wechsel zwischenDomkustodie und der ihr, nachdem
Salzburg 1816 endgültigTeil vonÖsterreich-Ungarn
geworden war, übergeordneten Finanzdirektion in
Linz, der nachdemToddes letztenHofkapellmeisters
LuigiGatti begonnenwurde, geht hervor, dass dieser
einen großenTeil derMusikalien in seinerWohnung
verwahrte.
„Wirklichbefinden sichbereits sammentli-
cheDomkirchlicheMusikalien in demQuar-
tier des seligenKapellmeisters in einemeige-
nen [gestrichen:] Kastenwozu nur der allge-
mein als rechtschaffen bekannteHofmusikus
Hof u. Dommusikus Joachim Fuetsch den
Schlissel hat sehr gut ver [Ende der Strei-
chung, korrigiert in:] der gewöhnlichenWoh-
nung ganz abgesonderten Zimmer unter der
strengsten und getreuestenAufsicht des all-
gemein als [eingefügt:] ordentlich u. [Ende
der Einfügung] rechtschaffen bekanntenHof
u.Dommusikus JoachimFuetsch in der bes-
tenVerwahrung.“10
9Bauer/Deutsch:Mozart.BriefeundAufzeichnungen,Bd.2,
S. 300.
10AES,Dommusikverein undMozarteum,AT-AES1.2.AXd
522.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Title
- Musik am Dom zu Salzburg
- Subtitle
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Authors
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Publisher
- Hollitzer Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Size
- 21.0 x 30.2 cm
- Pages
- 432
- Category
- Kunst und Kultur