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6 Die SammlungDommusikarchiv
Auch sogenannte „Musikalien-Aufleger“ derHofka-
pelle hatten anscheinendNoten der Dommusik bei
sichzuhause inVerwahrung.Dasgehtaus einemBrief
der„prov.Domkustodie“andiek.k.Finanz-Direktion
vom29.April 1820hervor: „NachdemTodedesDom-
choralistenChristophKunrad hatman inErfahrung
gebracht, daß derselbe, alsMusikalienAufleger, eine
MengeMusikalien inVerwahrung gehabt habe, wo-
vonkeinBuchstabevoneinerAufschreibungvorfindig
ist.“11
AndereMitglieder derHofmusik scheinen ebenso
nachGutdünken über dieMusikalien verfügt zu ha-
ben: Neben dem Eintrag einer Messe von Fux im
Catalogus „Gatti“, S. 59, findet sich, vermutlich in
LeopoldMozarts Handschrift, die Notiz „donata al
Calcante.“Darauf bezieht sich Fuetsch, wenn er im
letztenAbsatz seinesBericht[s] über das Verzeichnis
des Herrn Schitra, der abgängigen DomMusikalien,
seinenFreundLuigiGatti verteidigend, imApril 1822
schreibt: „Wenn es einem Vice CapellMeister oder
etwa gahr einemMeißner erlaubtwar, eine veraltete
Messe vomFux zu verschenken, so ist es gewiss unter
Erzpischöflicher Regierung einemwirklichenCapel-
Meisterweniger zu verargen, alte, abgelebte Stücke
mit neueren zu vertauschen.“12
Festzuhalten ist, dass zahlreicheMitgliederderHof-
kapelle, darunterKapellmeister undVizekapellmeis-
ter, aber auch niederrangigeMitgliederwie etwaNo-
tenaufleger, nachweislichMusikalien bei sich zuhause
aufbewahrten und darüber verfügten. Davon, dass
dies auch für andere Hof- und Dommusiker, etwa
Domchorregenten u.a., angenommen werden kann,
ist auszugehen.DiesebisAnfangdes19.Jahrhunderts
inderVerwaltungderMusikalienamSalzburgerDom
vorherrschendenUmstände lassen die Schenkung von
Musikalien an das Stift Heilig Kreuz in Augsburg
nach demTod LeopoldMozarts in neuemLicht er-
scheinen.13
Vondieser Schenkungwissenwir durch einenBrief
MariaAnna vonBerchtold zu Sonnenburgs vom24.
November 1799, in dem sie dem Verlag Breitkopf
&Härtelmitteilt, sie habe dieAbschriften von eini-
11AES,Dommusikverein undMozarteum,AT-AES1.2.AXd
522.
12AES,Dommusikverein undMozarteum,AT-AES1.2.AXd
522
13Senn: „DieMozart-Überlieferung“. genMessen ihres Bruders „nach demTodemeines
Vaters schon in dasKloster zumhl:Kreuz nachAug-
spurggeschickt, die SpartendavonhattemeinBruder
seel:“14Walter Senn, der als erster darauf hingewie-
sen hat, dass sich unter denMozart-Beständen des
Stiftes Heilig Kreuz zahlreiche Stimmenabschriften
befinden, die von Salzburger Schreibern auf Salzbur-
ger Papier kopiert wurden, nimmt zwar richtig an,
dass „die in Salzburg hergestellten Abschriften des
Musikarchives vonHeiligKreuz ursprünglich fürAuf-
führungen imDomderHeimatstadtdesKomponisten
gedient haben“, argumentiert aber dann, dass das
Stift HeiligKreuz von den imCatalogus „Gatti“ ver-
zeichnetenWerkenMozarts nur drei inAbschriften
vonAugsburgerKopisten besäße (KV192, 193 und
220), „während die übrigen hier vorhandenen, von
Mozart korrigiertenWerkkopienunter denBeständen
desDomchors inSalzburgnicht vertretenwaren“.Mit
dieser Feststellung erhebe sich allerdings die Frage,
weshalbNoten, die zweifellos für Aufführungen der
SalzburgerHofkapelle gedient hätten, nicht in deren
Besitz gewesen sein sollen.15 ZuRecht drückt Senn
hier einen gewissenZweifel aus, denn das vorher ge-
brauchteArgument erweist sich als nicht stichhaltig,
wennmansich inErinnerung ruft, dassderBefehl des
Fürsterzbischofs zur Inventarisierung derMusikalien
des SalzburgerDoms erst imAnstellungsdekret Luigi
Gattis16 1783 schriftlich niedergelegtwurde. Joseph
RichardEstlinger, denLuigiGattimit demAuftrag
betraut hatte, begann zunächst, die am Dom vor-
handenenMusikalien zu katalogisieren.DaLeopold
Mozart,derdieMessen seinesSohnesbei sichzuhause
aufbewahrte, bereits 1787 starb unddieMusikalien
bald danachnachAugsburg geschicktwurden, nimmt
esnichtwunder,dassdiesenicht imCatalogusMusica-
lis des SalzburgerDoms verzeichnetwurden, sondern
zeigt nur, dass der auch alsHofmusiker undKopist
beschäftigteEstlingermit derKatalogisierung noch
nicht bis zu den bei denMusikern verstreuten Be-
ständen vorgedrungenwar. Ihr Fehlen imCatalogus
Musicalismuss deshalb nicht bedeuten, dass sie nicht
Teil des Bestandes derDommusik gewesenwären, zu-
14Bauer/Deutsch: Mozart. Briefe und Aufzeichnungen,
Nr. 1268, Bd. 4, S. 298.
15Senn: „DieMozart-Überlieferung“, S. 347 f.
16Salzburger Landesarchiv, HZA1783/1/h., zit. nachHinter-
maier:Die Salzburger Hofkapelle, S. 134f.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Title
- Musik am Dom zu Salzburg
- Subtitle
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Authors
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Publisher
- Hollitzer Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Size
- 21.0 x 30.2 cm
- Pages
- 432
- Category
- Kunst und Kultur