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Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
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Seite - 188 - in Musik am Dom zu Salzburg - Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult

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6 Die SammlungDommusikarchiv Auch sogenannte „Musikalien-Aufleger“ derHofka- pelle hatten anscheinendNoten der Dommusik bei sichzuhause inVerwahrung.Dasgehtaus einemBrief der„prov.Domkustodie“andiek.k.Finanz-Direktion vom29.April 1820hervor: „NachdemTodedesDom- choralistenChristophKunrad hatman inErfahrung gebracht, daß derselbe, alsMusikalienAufleger, eine MengeMusikalien inVerwahrung gehabt habe, wo- vonkeinBuchstabevoneinerAufschreibungvorfindig ist.“11 AndereMitglieder derHofmusik scheinen ebenso nachGutdünken über dieMusikalien verfügt zu ha- ben: Neben dem Eintrag einer Messe von Fux im Catalogus „Gatti“, S. 59, findet sich, vermutlich in LeopoldMozarts Handschrift, die Notiz „donata al Calcante.“Darauf bezieht sich Fuetsch, wenn er im letztenAbsatz seinesBericht[s] über das Verzeichnis des Herrn Schitra, der abgängigen DomMusikalien, seinenFreundLuigiGatti verteidigend, imApril 1822 schreibt: „Wenn es einem Vice CapellMeister oder etwa gahr einemMeißner erlaubtwar, eine veraltete Messe vomFux zu verschenken, so ist es gewiss unter Erzpischöflicher Regierung einemwirklichenCapel- Meisterweniger zu verargen, alte, abgelebte Stücke mit neueren zu vertauschen.“12 Festzuhalten ist, dass zahlreicheMitgliederderHof- kapelle, darunterKapellmeister undVizekapellmeis- ter, aber auch niederrangigeMitgliederwie etwaNo- tenaufleger, nachweislichMusikalien bei sich zuhause aufbewahrten und darüber verfügten. Davon, dass dies auch für andere Hof- und Dommusiker, etwa Domchorregenten u.a., angenommen werden kann, ist auszugehen.DiesebisAnfangdes19.Jahrhunderts inderVerwaltungderMusikalienamSalzburgerDom vorherrschendenUmstände lassen die Schenkung von Musikalien an das Stift Heilig Kreuz in Augsburg nach demTod LeopoldMozarts in neuemLicht er- scheinen.13 Vondieser Schenkungwissenwir durch einenBrief MariaAnna vonBerchtold zu Sonnenburgs vom24. November 1799, in dem sie dem Verlag Breitkopf &Härtelmitteilt, sie habe dieAbschriften von eini- 11AES,Dommusikverein undMozarteum,AT-AES1.2.AXd 522. 12AES,Dommusikverein undMozarteum,AT-AES1.2.AXd 522 13Senn: „DieMozart-Überlieferung“. genMessen ihres Bruders „nach demTodemeines Vaters schon in dasKloster zumhl:Kreuz nachAug- spurggeschickt, die SpartendavonhattemeinBruder seel:“14Walter Senn, der als erster darauf hingewie- sen hat, dass sich unter denMozart-Beständen des Stiftes Heilig Kreuz zahlreiche Stimmenabschriften befinden, die von Salzburger Schreibern auf Salzbur- ger Papier kopiert wurden, nimmt zwar richtig an, dass „die in Salzburg hergestellten Abschriften des Musikarchives vonHeiligKreuz ursprünglich fürAuf- führungen imDomderHeimatstadtdesKomponisten gedient haben“, argumentiert aber dann, dass das Stift HeiligKreuz von den imCatalogus „Gatti“ ver- zeichnetenWerkenMozarts nur drei inAbschriften vonAugsburgerKopisten besäße (KV192, 193 und 220), „während die übrigen hier vorhandenen, von Mozart korrigiertenWerkkopienunter denBeständen desDomchors inSalzburgnicht vertretenwaren“.Mit dieser Feststellung erhebe sich allerdings die Frage, weshalbNoten, die zweifellos für Aufführungen der SalzburgerHofkapelle gedient hätten, nicht in deren Besitz gewesen sein sollen.15 ZuRecht drückt Senn hier einen gewissenZweifel aus, denn das vorher ge- brauchteArgument erweist sich als nicht stichhaltig, wennmansich inErinnerung ruft, dassderBefehl des Fürsterzbischofs zur Inventarisierung derMusikalien des SalzburgerDoms erst imAnstellungsdekret Luigi Gattis16 1783 schriftlich niedergelegtwurde. Joseph RichardEstlinger, denLuigiGattimit demAuftrag betraut hatte, begann zunächst, die am Dom vor- handenenMusikalien zu katalogisieren.DaLeopold Mozart,derdieMessen seinesSohnesbei sichzuhause aufbewahrte, bereits 1787 starb unddieMusikalien bald danachnachAugsburg geschicktwurden, nimmt esnichtwunder,dassdiesenicht imCatalogusMusica- lis des SalzburgerDoms verzeichnetwurden, sondern zeigt nur, dass der auch alsHofmusiker undKopist beschäftigteEstlingermit derKatalogisierung noch nicht bis zu den bei denMusikern verstreuten Be- ständen vorgedrungenwar. Ihr Fehlen imCatalogus Musicalismuss deshalb nicht bedeuten, dass sie nicht Teil des Bestandes derDommusik gewesenwären, zu- 14Bauer/Deutsch: Mozart. Briefe und Aufzeichnungen, Nr. 1268, Bd. 4, S. 298. 15Senn: „DieMozart-Überlieferung“, S. 347 f. 16Salzburger Landesarchiv, HZA1783/1/h., zit. nachHinter- maier:Die Salzburger Hofkapelle, S. 134f. 188
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Musik am Dom zu Salzburg Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Titel
Musik am Dom zu Salzburg
Untertitel
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
Autoren
Eva Neumayr
Lars E. Laubhold
Ernst Hintermaier
Verlag
Hollitzer Verlag
Ort
Wien
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-99012-540-0
Abmessungen
21.0 x 30.2 cm
Seiten
432
Kategorie
Kunst und Kultur
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