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7 Der SalzburgerDomalsAusgangspunkt derVerbreitungmusikalischerQuellen
7.2 DieBibliotecamusicale
‚G.Greggiati‘ inOstiglia
Vielleichtwar es dieTatsache, dass bald nachVizeka-
pellmeister LeopoldMozartsTod 1787 zahlreicheMa-
terialienderDommusiknachAugsburg geschicktwor-
denwaren, dieDomkustodie-Direktor JosephNaupp
nach demTod Luigi Gattis 30 Jahre später bewog,
die imNachlassGattis befindlichenDommusikalien
sofort zu sichten undwenigeTage später folgenden
Bericht zu liefern:
„Gleich am erstenTag nach erfolgtemTo-
dedesHerrnKapellmeistersAloysGatti hat
sich der Unterzeichnete von Domkustodie
wegen persönlich auf das k.k. Stadtgericht
begeben, um daselbst bey dem betreffen-
denHäuser u. Inventurs-Kommisär wegen
genauer Absonderung und Aufbewahrung
der zur Domkirche gehörigen Musikalien,
Musikinstrumente u. allfälligen anderenRe-
quisiten die geeignete Einleitung getroffen.
Wirklich befinden sich bereits sammentli-
cheDomkirchlicheMusikalien in demQuar-
tier des seligenKapellmeisters in einem ei-
genen [gestrichen:] Kastenwozu nur der all-
gemein als rechtschaffen bekannteHofmusi-
kus Hof u. Dommusikus Joachim Fuetsch
den Schlissel hat sehr gut ver [Ende der
Streichung, korrigiert in:] der gewöhnlichen
Wohnung ganz abgesonderten Zimmer un-
ter der strengsten und getreuestenAufsicht
des allgemein als [eingefügt:] ordentlich u.
[Ende der Einfügung] rechtschaffen bekann-
ten Hof u. Dommusikus Joachim Fuetsch
in der bestenVerwahrung.DieMusikinstru-
mente sind bereits, bis auf ein altes vierecki-
ges FortePiano, an dieDomkustodie richtig
zurückgestellet worden.Mit denMusikali-
en kann dieses doch wegenMangels eines
[gestrichen:] an hinlänglichen Platz [Ende
der Streichung] konvenablenPlatzes [Einfü-
gung:] in demDomkirchlichenLokal [Ende
derEinfügung]nichtwohlgeschehen.Hofmu-
sikusFuetsch ist aber erbiethig, auch nach
demHerbstRuperti, als zuwelcher Zeit des
KapellmeistersGattiWohnungerst geräumt werdenwird, u. wenn bis dahin dieKapell-
meisterstellen noch nicht besetzet sein soll,
dieMusikalien [eingefügt:] samt demForte
Piano [Ende derEinfügung] bis aufweiteres
in seinemQuartier aufzubehalten, u. [einge-
fügt:] an gewissenFesttagen die [gestrichen:
sonderliche]Herausgabe der erforderlichen
Stücke zu besorgen. [Ende der Einfügung]
Da sich über sammentlicheDommusikalien
ein eigener Katalog bey der Domkustodie
befindet, sowirdman nächstens eine Inven-
turveranstalten,worauf sodanndasgefällige
Anerbiethen desHofmusikus Fuetsch um so
unbedenklicher angenommenwerden kann,
als es demselben weder an Treue noch an
Sachverstand gebricht.“48
Die Eile, mit der Domkustodie-Direktor Joseph
Naupp sich um die Musikalien im Nachlass Luigi
Gattis kümmerte und die beimAbleben keines ande-
ren SalzburgerMusikers vorher überliefert ist,mag
ihrenGrund auch darin haben, dass Salzburg 1816
österreichisch gewordenwar und fortan bei derVer-
waltung derMusikalien ein andererWindwehte:Die
österreichischenBehördenwollten genauestens über
dasAusmaß der Sammlung informiert werden, und
währendbei der vorherigen, nochvonFürsterzbischof
Colloredoangeordneten InventurderMusikaliennoch
ein Jahrzehnt danach lange nicht alle Quellen ka-
talogisiert waren, wurden bereits zwei Jahre nach
Anordnung einer Inventur durch die österreichischen
Behörden zwei Bände eines neuen Inventars von Joa-
chimFuetsch fertiggestellt.
Was den Nachlass Luigi Gattis betrifft, so wur-
den jene „zurDomkirche gehörigenMusikalien“, die
er privat aufbewahrt hatte, von denMusikalien, die
zu seinem Privatbesitz gehörten, getrennt, wurden
aber ausPlatzmangel weiterhin von JoachimJoseph
Fuetsch aufbewahrt.DieMusikalien, die imBesitze
desKapellmeisters gewesenwaren, sollten denErben,
darunter den zwei inMantua lebendenBrüdernGior-
gio und Angelo Gatti und seiner Schwester Teresa
ausgefolgt werden.49 Sein Haupterbe wurde jedoch
sein Neffe Francesco Gatti, der Sohn seines bereits
48Vgl. AES, Dommusikverein und Mozarteum, AT-AES-
1.2.AXd 522.
49Gehmacher:Luigi Gatti, S. 69.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Title
- Musik am Dom zu Salzburg
- Subtitle
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Authors
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Publisher
- Hollitzer Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Size
- 21.0 x 30.2 cm
- Pages
- 432
- Category
- Kunst und Kultur