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Klarinette undPosaune) aufgenommen, am1.5.1873
erfolgte seinePensionierung.140Nebeneinemweiteren
Segenlied imDommusikarchiv (A 1550) hat sich in
Zagreb eine Handschrift mit Violinduos vonMayer
erhalten.141
Megerle,Abraham (1607–1680),Komponist und
in derNachfolge StefanoBernardis von 1634 bis 1650
Hofkapellmeister in Salzburg; Schüler Johann Stadl-
mayrs, den er zeitlebens hoch verehrte;Mentor seines
Neffen,desberühmtenKanzelrednersAbrahamaSan-
taClara.Von seinen angeblich 2000Kompositionen
sindnurwenigevollständig erhaltengeblieben; fürdie
weitereEntwicklungdergroßbesetzten,mehrchörigen
Kirchenmusik amSalzburgerDom ist vor allem seine
in drei Bänden konzipierte Sammlung derWechsel-
gesänge für das ganze Kirchenjahr zu einer bis 24
Stimmen von großerBedeutung. Es dürfte allerdings
davon nur einBand erschienen sein, von demaußer-
demdurchVerlust einzelner Stimmbücher nurwenige
Kompositionen vollständig überliefert sind.DieseAra
musica solemni concentu von 1647, Fürsterzbischof
Paris Lodron gewidmet, entstandwahrscheinlich im
Anschluss an denZubau von zweiweiteren, den bei-
denwestlichenMusikemporen imVierungsraumder
DomkircheundboteinbreitesSpektrumvonMöglich-
keiten, denRaummit unterschiedlichenBesetzungen
zumKlingen zu bringen.
EinGroßteil vonMegerles Salzburger Arbeiten –
neben eigenenKompositionen vor allemBearbeitun-
genvonWerkenJ. Stadlmayrs und insbesondereT.L.
de Victorias – ist in sechs zwischen 1630 und 1649
entstandenenChorbüchern überliefert. Ein Teil da-
von gelangte inFormvon Stimmenabschriften in die
hier bearbeitete Sammlung. Bei diesenAbschriften,
insbesondere bei solchen nach derHymnensammlung
W.b.XIII., ist die Frage der Autorschaft bisweilen
kompliziert, daMegerle, der in diesemChorbuch als
alleinigerAutor genannt ist, vielfach aufKompositio-
nenT. L. deVictorias zurückgriff, diese bearbeitete
und neu zusammenstellte, häufig auch einzelneTei-
le derHymnenneu komponierte.AufBasis des von
ErnstHintermaier erarbeitetenKriterienkatalogs zur
140Angermüller: „Denkbuch“, S. 551.
141Duos /DiDionisoMayr /musico del Duomo a Salisburgo
HR-Zha,XXXI.M. Unterscheidung vonBearbeitungstypen142wurde bei
derKatalogisierung dahingehend unterschieden, ob
Megerlemindestens geschlosseneTeile einerKompo-
sition selbst verfasst hat – inwelchemFall er alsMit-
komponist (67-mal) klassifiziertwurde – oder ob er
imWesentlichennurMaterial seinerVorlagenverwen-
dete und (oft eingreifend) bearbeitete – inwelchem
Fall er als Bearbeiter (47-mal) geführt ist. In jedem
Fall wurde der Komponist der Vorlage, ungeachtet
desAusmaßes vonMegerlesAdaption, alsHauptau-
tor klassifiziert und das entsprechendeWerk unter
seinemNamen imKatalog eingeordnet. Bei Stücken,
fürdie keineVorlagebekannt ist,wurdeMegerle auch
dort als alleinigerKomponist vermerkt (177-mal),wo,
wie imFalle vonAbschriften aus denChorbüchern
W.b.IX. undW.b.X.143, eine heute unbekannteVor-
lage als sicher angenommenwerden kann.
Michl, Joseph Christian Willibald (1745–
1816), wurde inNeumarkt in derOberpfalz als Sohn
des dortigenOrganisten geboren. Erwurde 1770 in
München zum„Kammer-Compositeur“ desKurfürs-
tenMaximilianJosephernanntundwarmitmehreren
Opern sehr erfolgreich.NachdemToddesKurfürsten
1777siedelteerals„ständigerGast“ indasAugustiner-
ChorherrenstiftWeyarn über und fand imdortigen
regenMusiklebenMöglichkeiten, sein Talent einzu-
bringen. Seine geistlichen und weltlichen Komposi-
tionenwurden vonZeitgenossen gerühmt undwaren
imgesamten süddeutschenRaumbis in die Schweiz
verbreitet.144Michl hatte in SalzburgVerwandte: Sei-
ne TanteMariaKatharinaMichl war seit 1732mit
demDomstiftsorganistenGeorg JosephParis verhei-
ratet.145
Milder, Gottlieb (1763–1817), übernahm nach
Abschluss seinerGymnasialstudien dasOrganisten-
amt an derUniversitätskirche. Seit ca. 1786 vertrat
er JohannMichaelHaydn undFranz Ignaz Lipp bei
Orgeldiensten imDom.Ab 1794wurde er für Lipp
alsDomstiftsorganist angestellt, kamaber erst 1798,
142Hintermaier:Katalog (1992), S. 15f.
143Ebd., S. 57.
144Schwemmer,Marius: „JosephWillibaldMichl (1745–1816)
als Komponist und ‚Recreationssekretär‘ im Augustiner-
ChorherrenstiftWeyarn“, in:Kirchenmusikalisches Jahr-
buch, 92 (2008), S. 121–129.
145Vgl.Hintermaier:Die Salzburger Hofkapelle, S. 314.
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Musik am Dom zu Salzburg
Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Title
- Musik am Dom zu Salzburg
- Subtitle
- Repertoire und liturgisch gebundene Praxis zwischen hochbarocker Repräsentation und Mozart-Kult
- Authors
- Eva Neumayr
- Lars E. Laubhold
- Ernst Hintermaier
- Publisher
- Hollitzer Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-99012-540-0
- Size
- 21.0 x 30.2 cm
- Pages
- 432
- Category
- Kunst und Kultur