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Ronald Clark
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Theaterboskett bezeichnet. Während sich mit dem Theaterboskett in der östlichen Bos-
kettzone bei Aufführungen und Festen eine »spielerische Selbstdarstellung« verband,
war die spiegelbildlich entsprechende westliche Boskettzone einer eher gegensätzli-
chen Nutzung, dem »spielerischen Sichverbergen« in labyrinthartig verschachtelten
Heckenbosketts, vorbehalten.7
Elemente des Theaterbosketts und ihre Raumwirkungen
in der Barockzeit
Heike Palm hat in ihrer Studie8 den heute vorhandenen baulichen und vegetativen Ele-
menten des Theaterbosketts im Großen Garten Hannover-Herrenhausen unterschied-
liche historische Entstehungsphasen zuordnen können und einen Plan von Remy de
la Fosse um 1705 als den überwiegend durch weitere Quellen belegten Bestand der
ursprünglichen Gestaltung von 1689–1691 ausgewiesen (Abb. 1). Eine genaue Ein-
messung des heutigen Theaterbosketts beweist die Annahme; die Unterschiede zwi-
schen dem Plan von 1705 und dem jetzigen Zustand sind nur sehr gering.
Folgende bauliche und vegetative Elemente erzeugten in der ursprünglichen barocken
Gestaltung die räumliche Wirkung des Theaterbosketts (Abb. 2):
1. Die Äußeren Einfassungshecken in Nord-Süd-Ausrichtung dienen als räumliche Ab-
grenzung gegenüber dem Parterre im Westen und den Randalleen im Osten. Sie sind
zusammen mit einer durchgehenden mittigen Nord-Süd-Achse die verbindenden
Elemente aller Einzelräume in der Abfolge der östlichen Boskettzone.
2. Die Einfassungshecken in Ausrichtung der West-Ost-Querachsen des Großen Gartens
bilden die südlichen und nördlichen Raumkanten des Theaterbosketts und erzeugen
mittig eine Durchdringung und Unterteilung in die Bereiche Bühnenplateau und
Amphitheater /
Königsbusch. Die Einfassungshecken umfassen hier durch flügelar-
tige Erweiterungen das Theaterparterre mit einem annähernd ovalen Grundriss. Es
ist zentraler, verbindender Raum zwischen Bühne und Amphitheater und zugleich
Verbindung zum Parterre bzw. zu den Randalleen.
3. Die Mauern um das Bühnenplateau dienen der Abfangung eines nach Süden anstei-
genden großflächigen Erdkörpers. Den südlichen Abschluss bilden zwei Treppen-
abgänge um die Kleine Kaskade. Die nördliche Abgrenzung der Bühne gegen das
Theaterparterre ist mit risalitartigen Vor- und Rücksprüngen versehen, die mittig
einen (Orchester-)Bereich umfassen und seitlich zwei Treppenanlagen als Aufgänge
zum Bühnenplateau aufnehmen.
7 Hennebo / Schmidt 1978, S. 218.
8 Palm 2007.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur