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Der Stellenwert des Parmenser Teatro Farnese in der Geschichte des höfischen Musiktheaters
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Staatsgeheimnissen aus Ferrara verfügt haben, aber auch über Gualtieri, Guastalla und
anderes, obwohl in den Quellen natürlich nicht davon die Rede ist. Er arbeitete in
Ferrara auch gegenwärtig, also nach der Devolution, mit Militärs zusammen, insbeson-
dere aber mit dem Luogotenente Generale delle armate della Chiesa (ein Rang unter dem-
jenigen eines Generals) Mario Farnese. Dieses Mitglied der mächtigen römischen Fami-
lie könnte die frühen Kontakte bekräftigt haben, die dann den Ferraresen nach Parma
führten. Diese Annahme wurde bislang noch nicht vorgeschlagen, scheint jedoch nahe-
liegend und durchaus plausibel.11 Dieser Umstand könnte wiederum erklären, warum
Aleotti die Baustelle des Teatro Farnese kurz nach Arbeitsaufnahme fast fluchtartig ver-
ließ, um dann nie wieder zurückkehren, wie man seinem Brief vom 18.
März 1618 ent-
nimmt. Vor Ort hinterließ Aleotti jedoch einen Vertrauensmann: Enzo Bentivoglio (um
1575–1639), von dem später noch die Rede sein wird. Einziger Beweis von bestehender
und sogar nachhaltiger Verbundenheit Aleottis mit dem Hof bleiben spärliche, jedoch
überaus freundliche Briefe, wie derjenige des Marquis Alfonso Pozzo vom 25. August
1618 mit den »sehr herzlichen Grüßen« an »Gian [Battista]« nach Ferrara.12
Für die Eröffnung 1619 war in der zum Theaterraum umgebauten Sala d’Armi, dem
Waffensaal bzw. Zeughaus, die Aufführung von La difesa della Bellezza des Marquis
Alfonso Pozzo in der Tat soweit vorbereitet. Wegen Unpässlichkeit des toskanischen
Herzogs Cosimo II. (1590–1621) wurde das Fest dann jedoch abgesagt, obwohl, wie
Stuart Reiner schon 1964 festgestellt hat, sowohl das Stück als auch die entsprechende
Musik (für sechs Intermedien) bereits fertig waren.13 Was die üppigen skulpturalen
Dekorationen des Theaters angeht, heißt es in der Chronik des Buttigli, dass sie durch
Pozzo ebenfalls »geschaffen«, d. h. allerdings lediglich in Auftrag gegeben worden wa-
ren.14 Die Errichtung um 1618 war durch die ausdauernde Unterstützung Bentivoglios
vollendet, erste Vorstellungen gab es jedoch erst um 1628. Im Jahr 1627 sind zahlreiche
Aufenthalte von ihm auf der Baustelle belegt.
Einige architektonische und technisch-akustische Merkmale des Theaterbaus sind
unbedingt hervorzuheben. Der Zuschauerraum ist serliane geordnet, nach dem typi-
schen palladianischen Motiv, das sich ins Freie öffnen und einen durchgehenden Wech-
sel von der Illusion zur Realität, vom Fingierten zum Wirklichen, bietet, eine Osmose
von außen und innen, auch vom echten zum imitierten Marmor (Abb. 4–6). Außer-
dem besaß das Gebäude fortschrittliche technische Vorrichtungen: so wurde im Teatro
11 Scherf 1998, S. 68. »[…] als Beweis der guten Beziehungen zwischen den beiden kann eine Stelle in
einem Brief angesehen werden, laut der Aleottis Sohn Giovanni Battista mit Mario Farnese nach Rom
reisen soll«, der Brief ist wiederum an einen »Marchese Bentivoglio« (in diesem Fall vielleicht nicht
Mario, sondern Ippolito, Sohn Cornelios) gerichtet und datiert vom 4. Oktober 1604, Archivio di Stato
di Modena, Archivio per Materie, [Sondersammlung der herzöglichen Archive] Ingegneri, b. 1.
12 Reiner 1964, S. 288, an den besagten Bentivoglio. Es ist in der Emilia auch noch heute üblich, solche
Doppelvornamen mit »Gian« abzukürzen. Hier kann niemand anderes als Aleotti gemein sein.
13 Ebd.
14 Buttigli, S. 267.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur