Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Kunst und Kultur
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
Seite - 205 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 205 - in Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur

Bild der Seite - 205 -

Bild der Seite - 205 - in Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur

Text der Seite - 205 -

Der Stellenwert des Parmenser Teatro Farnese in der Geschichte des höfischen Musiktheaters 205 Staatsgeheimnissen aus Ferrara verfügt haben, aber auch über Gualtieri, Guastalla und anderes, obwohl in den Quellen natürlich nicht davon die Rede ist. Er arbeitete in Ferrara auch gegenwärtig, also nach der Devolution, mit Militärs zusammen, insbeson- dere aber mit dem Luogotenente Generale delle armate della Chiesa (ein Rang unter dem- jenigen eines Generals) Mario Farnese. Dieses Mitglied der mächtigen römischen Fami- lie könnte die frühen Kontakte bekräftigt haben, die dann den Ferraresen nach Parma führten. Diese Annahme wurde bislang noch nicht vorgeschlagen, scheint jedoch nahe- liegend und durchaus plausibel.11 Dieser Umstand könnte wiederum erklären, warum Aleotti die Baustelle des Teatro Farnese kurz nach Arbeitsaufnahme fast fluchtartig ver- ließ, um dann nie wieder zurückkehren, wie man seinem Brief vom 18.  März 1618 ent- nimmt. Vor Ort hinterließ Aleotti jedoch einen Vertrauensmann: Enzo Bentivoglio (um 1575–1639), von dem später noch die Rede sein wird. Einziger Beweis von bestehender und sogar nachhaltiger Verbundenheit Aleottis mit dem Hof bleiben spärliche, jedoch überaus freundliche Briefe, wie derjenige des Marquis Alfonso Pozzo vom 25.  August 1618 mit den »sehr herzlichen Grüßen« an »Gian  [Battista]« nach Ferrara.12 Für die Eröffnung 1619 war in der zum Theaterraum umgebauten Sala d’Armi, dem Waffensaal bzw. Zeughaus, die Aufführung von La difesa della Bellezza des Marquis Alfonso Pozzo in der Tat soweit vorbereitet. Wegen Unpässlichkeit des toskanischen Herzogs Cosimo  II. (1590–1621) wurde das Fest dann jedoch abgesagt, obwohl, wie Stuart Reiner schon 1964 festgestellt hat, sowohl das Stück als auch die entsprechende Musik (für sechs Intermedien) bereits fertig waren.13 Was die üppigen skulpturalen Dekorationen des Theaters angeht, heißt es in der Chronik des Buttigli, dass sie durch Pozzo ebenfalls »geschaffen«, d.  h. allerdings lediglich in Auftrag gegeben worden wa- ren.14 Die Errichtung um 1618 war durch die ausdauernde Unterstützung Bentivoglios vollendet, erste Vorstellungen gab es jedoch erst um 1628. Im Jahr 1627 sind zahlreiche Aufenthalte von ihm auf der Baustelle belegt. Einige architektonische und technisch-akustische Merkmale des Theaterbaus sind unbedingt hervorzuheben. Der Zuschauerraum ist serliane geordnet, nach dem typi- schen palladianischen Motiv, das sich ins Freie öffnen und einen durchgehenden Wech- sel von der Illusion zur Realität, vom Fingierten zum Wirklichen, bietet, eine Osmose von außen und innen, auch vom echten zum imitierten Marmor (Abb.  4–6). Außer- dem besaß das Gebäude fortschrittliche technische Vorrichtungen: so wurde im Teatro 11 Scherf 1998, S.  68. »[…] als Beweis der guten Beziehungen zwischen den beiden kann eine Stelle in einem Brief angesehen werden, laut der Aleottis Sohn Giovanni Battista mit Mario Farnese nach Rom reisen soll«, der Brief ist wiederum an einen »Marchese Bentivoglio« (in diesem Fall vielleicht nicht Mario, sondern Ippolito, Sohn Cornelios) gerichtet und datiert vom 4.  Oktober 1604, Archivio di Stato di Modena, Archivio per Materie,  [Sondersammlung der herzöglichen Archive] Ingegneri, b. 1. 12 Reiner 1964, S.  288, an den besagten Bentivoglio. Es ist in der Emilia auch noch heute üblich, solche Doppelvornamen mit »Gian« abzukürzen. Hier kann niemand anderes als Aleotti gemein sein. 13 Ebd. 14 Buttigli, S.  267.
zurück zum  Buch Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur"
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa