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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Page - 236 - in Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur

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Andrea Sommer-Mathis 236 misch Krumau (heute Český Krumlov)20, Gripsholm21, Gotha (Ekhof-Theater)22 und Leitomischl (heute Litomyšl)23 vervollständigen das Sextett der historischen Theater aus dem 18.  Jahrhundert, in denen man noch heute die Funktionsweise der barocken Maschinerie bestaunen kann. Während die Dekorationen der Renaissance durch den Einsatz der Perspektive und die Staffelung der Kulissenpaare immer weiter in die Bühnentiefe vordrangen, er- oberten die Bühnenbilder der Barockzeit bald auch die dritte Dimension, die Vertikale, sowohl nach oben als auch nach unten. Durch den Ausbau der Obermaschinerie im Schnürboden gewann man den Luftraum hinzu, in dem Götter und mythologische Fi- guren auf Wolkenmaschinen thronten oder auf Flugwagen zur Erde herabschwebten, während Versenkungen die direkte Verbindung zur Unterbühne schufen, aus der Per- sonen und Versatzstücke auftauchen oder wieder ›in der Versenkung verschwinden‹ konnten, wie ein heute noch gebräuchliches Sprachbild lautet.24 Auch dafür hatte die Antike bereits erste technische Lösungsansätze geliefert: Göt- ter konnten schon im griechischen Theater mit Hilfe einer Art Schrägaufzug oder auf kranähnlichen Flugmaschinen über der Spielfläche erscheinen. Im Barock wurden auf dem Schnürboden Winden und Trommeln angebracht, die verschiedenste horizontale und vertikale Bewegungen erlaubten. Die Hauptattraktion der himmlischen Szenen waren die Wolkenmaschinen, die oft ganze Göttergesellschaften beförderten. Der häufige Einsatz von Wolkenszenen im ba- rocken Theater hatte allerdings auch ganz pragmatische Gründe, denn durch die Wol- ken konnte man die technische Apparatur verstecken, ähnlich wie auch die Soffitten (schmale, im Schnürboden horizontal angebrachte Stoffbahnen) vor allem dazu da wa- ren, den Einblick in die Obermaschinerie zu verwehren. Im Prinzip waren die Wolkenmaschinen des 17.  Jahrhunderts nichts anderes als kleine ›Bühnen‹, die jeweils ihr eigenes Kulissensortiment besaßen und mit wolken- förmigen Brettern ausgestattet waren, die aufgeklappt werden konnten und dadurch den Blick in das Innere freigaben; die äußeren Wolken wurden nach dem Fächerprin- zip auseinandergefaltet. Praktische Anleitungen dazu finden sich im Handbuch des italienischen Architekten Nicola Sabbattini (1574–1654) Pratica di fabricar scene e ma- chine teatri, das 1638 in Ravenna erstmals im Druck erschien,25 aber bald schon weitere Auflagen erlebte und sich großer Beliebtheit unter den Theaterpraktikern erfreute. Im 20 Vgl. Adamczyk 1994; Hilmera 1994; Schlosstheater 2001. 21 Vgl. Beijer 1972; Stribolt 2002. 22 Vgl. Ekhof-Projekt 1999; Dobritzsch 22006; Jung 2010, S.  44–47. 23 Vgl. Hilmera 1968; Bláha 2003. 24 Vgl. Jung 2003; Reus 2003. 25 Sabbattini 1638; Sabbattini-Flemming 1926; vgl. Hewitt 1958, S.  37–177; Gamba  /  Montebelli 1995; Greisenegger 2016, S.  63.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Title
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Subtitle
Hof – Oper – Architektur
Authors
Margret Scharrer
Heiko Laß
Editor
Matthias Müller
Publisher
Heidelberg University Publishing
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Size
19.3 x 26.0 cm
Pages
618
Keywords
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Category
Kunst und Kultur
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa