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Barockes Kulissen- und Maschinentheater
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zweiten Buch seines Traktats schlug Sabbattini mehrere Varianten zur Herstellung von
Wolken- und Flugmaschinen vor.26
Da die barocken Bühnenarchitekten beim Publikum vor allem die Affekte des Stau-
nens, der Ver- und Bewunderung auslösen wollten,27 gehörten zur Grundausstattung
jeder Barockbühne effektvolle Wind-, Donner- und Regenmaschinen sowie spezielle
Vorrichtungen, um Blitze zu erzeugen.28
Bereits im griechischen Theater hatte man Donnermaschinen gekannt: Entweder
schlug man mit Steinen gefüllte Schläuche gegen Metalltafeln oder ließ Bleikugeln aus
einem Metallgefäß auf ein gespanntes Fell niederprasseln. Auch im Barockzeitalter gab
es verschiedene Möglichkeiten, um Donner zu erzeugen, so etwa mit einem Blech, das
gebogen und geschüttelt wurde, oder mit einem achteckigen Holzrad, das man über
die Bühne poltern ließ und dadurch ein donnerähnliches Geräusch produzierte. Im
Schlosstheater von Drottningholm befindet sich heute noch über dem Bühnenportal
ein langer Holzkasten, der mit Steinen gefüllt ist; wird er auf und ab bewegt, so rollen
die Steine durch den Kasten, was sich gleichfalls wie Donner anhört. Im Schlosstheater
von Ludwigsburg gibt es hingegen einen sogenannten ›Einschlagkasten‹, einen von
der Ober- bis zur Unterbühne reichenden Holzschacht, in dem mehrere Zwischen-
böden schräg angebracht sind; unregelmäßig geformte Holzklötze, die in den Schacht
geworfen werden, poltern über diese Zwischenböden und erzeugen so ein Donner-
geräusch.
Am originellsten ist die Donnermaschine im Ostankino-Theater bei Moskau, wo
über den Köpfen der Zuschauer auf dem Schnürboden wuchtige hölzerne Zahnräder
auf einen 40 cm tiefen Resonanzkasten aus Holz schlagen. Verstärkt wird der Donner-
hall durch Metallbleche, mit denen der Kasten beschlagen ist. In demselben Theater
hat sich auch ein Regenschacht erhalten, der – ähnlich wie der Einschlagkasten von
Ludwigsburg
– vom Schnürboden bis zur Unterbühne reicht und im Inneren mit Blech-
lamellen versetzt ist: Erbsen, die oben in den Schacht gefüllt werden, rieseln über die
Lamellen und erwecken die Illusion von Regen. In anderen Theatern, etwa im Schloss-
26 Vgl. Sabbattini-Flemming 1926, S. 258–271: Zweites Buch, Kap. XLIII: Wie man eine Wolke vom Him-
mel gerade auf die Bühne herunterlassen kann, mit Personen darin; Kap. XLIV: Wie man auf andere Art
eine Wolke mit einer Person darin aus dem Himmel auf die Bühne herunterlassen kann; Kap.
XLV: Wie man
eine Wolke sich senken lassen kann, so daß sie vom äußersten Ende des Himmels immer mehr nach vorn bis
zur Mitte der Bühne kommt, und zwar mit Personen darauf; Kap. XLVI: Wie man eine kleine Wolke sich
senken läßt, die dabei immer größer wird; Kap. XLVII: Wie man eine Wolke querüber ziehen lassen kann;
Kap. XLVIII: Wie man auf andere Art eine Wolke querüber ziehen lassen kann; Kap. XLIX: Wie man eine
Wolke sich senken lassen kann, die sich in drei Teile teilt und nachher beim Aufsteigen wieder vereinigt;
Kap. L: Wie man ohne Wolke eine Person vom Himmel lassen kann, die sofort, wenn sie auf die Bühne
kommt, gehen und tanzen kann. – Vgl. die Entwürfe für Wolkenmaschinen aus dem Teatro Farnese in
Parma, Küster 2003, S. 132–133 (Kat.-Nrn. 83 a–e).
27 Vgl. Fischer-Lichte 2010; Gess-Hartmann 2015, S.
14–18; Fischer-Lichte 2016; Lazardzig–
Rössler
2016, S. 281–285.
28 Vgl. Küster 2003, S. 31–33, 178–182 (Kat.-Nrn. 118–125a / b).
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur