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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Barockes Kulissen- und Maschinentheater 237 zweiten Buch seines Traktats schlug Sabbattini mehrere Varianten zur Herstellung von Wolken- und Flugmaschinen vor.26 Da die barocken Bühnenarchitekten beim Publikum vor allem die Affekte des Stau- nens, der Ver- und Bewunderung auslösen wollten,27 gehörten zur Grundausstattung jeder Barockbühne effektvolle Wind-, Donner- und Regenmaschinen sowie spezielle Vorrichtungen, um Blitze zu erzeugen.28 Bereits im griechischen Theater hatte man Donnermaschinen gekannt: Entweder schlug man mit Steinen gefüllte Schläuche gegen Metalltafeln oder ließ Bleikugeln aus einem Metallgefäß auf ein gespanntes Fell niederprasseln. Auch im Barockzeitalter gab es verschiedene Möglichkeiten, um Donner zu erzeugen, so etwa mit einem Blech, das gebogen und geschüttelt wurde, oder mit einem achteckigen Holzrad, das man über die Bühne poltern ließ und dadurch ein donnerähnliches Geräusch produzierte. Im Schlosstheater von Drottningholm befindet sich heute noch über dem Bühnenportal ein langer Holzkasten, der mit Steinen gefüllt ist; wird er auf und ab bewegt, so rollen die Steine durch den Kasten, was sich gleichfalls wie Donner anhört. Im Schlosstheater von Ludwigsburg gibt es hingegen einen sogenannten ›Einschlagkasten‹, einen von der Ober- bis zur Unterbühne reichenden Holzschacht, in dem mehrere Zwischen- böden schräg angebracht sind; unregelmäßig geformte Holzklötze, die in den Schacht geworfen werden, poltern über diese Zwischenböden und erzeugen so ein Donner- geräusch. Am originellsten ist die Donnermaschine im Ostankino-Theater bei Moskau, wo über den Köpfen der Zuschauer auf dem Schnürboden wuchtige hölzerne Zahnräder auf einen 40  cm tiefen Resonanzkasten aus Holz schlagen. Verstärkt wird der Donner- hall durch Metallbleche, mit denen der Kasten beschlagen ist. In demselben Theater hat sich auch ein Regenschacht erhalten, der  – ähnlich wie der Einschlagkasten von Ludwigsburg  – vom Schnürboden bis zur Unterbühne reicht und im Inneren mit Blech- lamellen versetzt ist: Erbsen, die oben in den Schacht gefüllt werden, rieseln über die Lamellen und erwecken die Illusion von Regen. In anderen Theatern, etwa im Schloss- 26 Vgl. Sabbattini-Flemming 1926, S.  258–271: Zweites Buch, Kap.  XLIII: Wie man eine Wolke vom Him- mel gerade auf die Bühne herunterlassen kann, mit Personen darin; Kap.  XLIV: Wie man auf andere Art eine Wolke mit einer Person darin aus dem Himmel auf die Bühne herunterlassen kann; Kap.  XLV: Wie man eine Wolke sich senken lassen kann, so daß sie vom äußersten Ende des Himmels immer mehr nach vorn bis zur Mitte der Bühne kommt, und zwar mit Personen darauf; Kap.  XLVI: Wie man eine kleine Wolke sich senken läßt, die dabei immer größer wird; Kap.  XLVII: Wie man eine Wolke querüber ziehen lassen kann; Kap.  XLVIII: Wie man auf andere Art eine Wolke querüber ziehen lassen kann; Kap.  XLIX: Wie man eine Wolke sich senken lassen kann, die sich in drei Teile teilt und nachher beim Aufsteigen wieder vereinigt; Kap. L: Wie man ohne Wolke eine Person vom Himmel lassen kann, die sofort, wenn sie auf die Bühne kommt, gehen und tanzen kann.  – Vgl. die Entwürfe für Wolkenmaschinen aus dem Teatro Farnese in Parma, Küster 2003, S.  132–133 (Kat.-Nrn. 83 a–e). 27 Vgl. Fischer-Lichte 2010; Gess-Hartmann 2015, S.  14–18; Fischer-Lichte 2016; Lazardzig– Rössler 2016, S.  281–285. 28 Vgl. Küster 2003, S.  31–33, 178–182 (Kat.-Nrn. 118–125a  /  b).
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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