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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Page - 275 - in Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur

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Akustik in Hoftheatern des 17. und 18. Jahrhunderts 275 form ab und benötigt in jedem Fall eine graphische Analyse des dreidimensionalen Reflexionsverlaufs. Genau diesen Grundriss (ohne Logen) verwendet Giacomo Quarenghi (1744–1817) im 1783–85 für den russischen Zaren erbauten halbrunden Theater in der Eremitage in St.  Petersburg (Abb.  3). Auch hier ist das Problem der Schallfokussierung in einem einzigen Brennpunkt vermieden, da das Orchester und die Vorbühne sich außerhalb des Halbkreises befin- den. Der Radius des Halbrunds beträgt 8.25  m, die Saallänge bis zum Proszeniumsrand 13.80  m, die Raumbreite 16.50  m, die Raumhöhe 10.50  m. Auf den ansteigenden halb- runden Sitzreihen haben 250 Personen Platz. Da die Raumwände mit Marmor verklei- det sind, hat das voll besetzte Theater trotz des kleinen Volumens von 7900  m3 eine un- gewöhnlich lange Nachhallzeit von 1,41 Sekunden.18 Wegen der über die ebene Decke verlaufenden, zeitlich relativ stark verzögerten Reflexionen über zwei Flächen mit den erwähnten Schallkonzentrationen 2. Ordnung ist der Nachhall unruhig. 3.3 Halbkreis zum U verlängert Wird der Halbkreis zum U verlängert, so ist die Sicht zur Bühne im Parkett und in den Logen am Ende des U sehr gut, in seitlichen Logen allerdings trotz schrägen oder offe- nen Logentrennwänden nur auf den vordersten Logenplätzen einigermaßen gut, da der Blick zur Bühne nur auf gedrehten Stühlen oder mit gedrehtem Kopf oder stehend mög- lich ist. Das U ist jedoch die ideale Form für ein Publikum, das auch sich selbst betrach- ten will. Ein solches Theater bietet weit mehr Plätze als der Halbkreis und dank Seiten- wandreflexionen die Voraussetzungen für sehr gute Akustik, sofern die eingebauten Logen und die Saaldecke nicht zu viele Bässe absorbieren (mehr dazu in Abschnitt 5). Diese Voraussetzungen waren im Alten Burgtheater in Wien erfüllt (1741 gebaut, 1756, 1761 und 1796 renoviert). Der Zuschauerraum hatte vier Ränge und war mit 10.30  m zwischen den Brüstungen sehr schmal. Die innere Länge betrug mit 23.60  m mehr als die doppelte Breite, die Höhe vom Parkett zur Decke 12  m.19 Der Saal hatte ein Volumen von 3.700  m3 und die Nachhallzeit im besetzten Raum wurde für mittlere Frequenzen mit 1,1 sec berechnet.20 Das Theater war wegen seiner hervorragenden Akustik äußerst beliebt. 1888 wurde es zum Bedauern von Schauspielern und Publi- 18 Messung durch Waves Audio am 26.10.2004. Siehe: http://www.acoustics.net.russia/hermitage_theatre.de [letzter Zugriff am 27.8.2005]. 19 Semper 1904, S.  204, Fig. 132. 20 Meyer 2015, S.  184 für 1779 (nach Singer 1958, S.  220); Weinzierl 2002, S.  151–153 berechnet nur 0,7  sec bei einem Volumen von 3700  m3 (mit angekoppelten Volumen und am Modell verifiziertem Rest- schallabsorptionsgrad). Siehe dazu die Bemerkung in Abschnitt 4 und 6 unten.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Title
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Subtitle
Hof – Oper – Architektur
Authors
Margret Scharrer
Heiko Laß
Editor
Matthias Müller
Publisher
Heidelberg University Publishing
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Size
19.3 x 26.0 cm
Pages
618
Keywords
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Category
Kunst und Kultur
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa