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Akustik in Hoftheatern des 17. und 18. Jahrhunderts
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Nach Bestimmung des Raumdämpfungsmaßes zeigt sich deutlich, dass es unter den
betrachteten Theatern Gruppen mit ähnlichen akustischen Anforderungen gab. So lie-
gen das Alte Wiener Burgtheater (1756) und das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth
(1748), Theater der Kategorie B mit einem Raumvolumen von 5100 bis 5500 m3 und
mittleren Nachhallzeiten von etwa 1 Sekunde mit einem Raumdämpfungsmaß von 22
bis 24 dB, recht nahe beieinander.
In den größten Opernhäusern des 18. Jahrhunderts der Größenkategorie C, einer
Kategorie, die erst im 19. Jahrhundert allgemein gebräuchlich wurde, zu welcher die
bereits erwähnten Hoftheater San Carlo Neapel und La Scala Mailand mit einem Zu-
schauerraum von 11.250–12.375
m3 gehören, müssen die Musiker ein zwei- bis dreimal
größeres Raumvolumen füllen als bis dahin üblich. Trotz längeren Nachhallzeiten für
mittlere Frequenzen von etwas über 1 Sekunde ist das Raumdämpfungsmaß in die-
sen großen Theatern deshalb um 3 bis 6 dB grösser als in den kleineren Theatern des
17. und 18. Jahrhunderts. Um eine Dämpfung von 3 dB zu kompensieren, muss eine
etwa doppelt so große Orchesterbesetzung eingesetzt werden, um die gleiche subjek-
tive Lautstärke wie in den kleinen Theatern zu erreichen; 6 dB mehr erfordert eine
Vervierfachung.41 Eine entsprechende Zunahme der Orchesterbesetzung lässt sich für
die Streicher tatsächlich beobachten. Aus demselben Grund erfolgten im Instrumenten-
bau bautechnische Maßnahmen zur Vergrößerung der Schallleistung. Die Singstimmen
mussten jedoch durch Stimmbildung und Erfahrung zu besserer Leistung gebracht wer-
den. Umso bedenklicher ist bei der Benützung der großen Theater deshalb die Tatsache,
dass seit dem 20.
Jahrhundert das Singen im Proszenium meist nicht mehr möglich ist,
weil man diesen Platz dem in diesen Bereich hinein verschobenen Orchester zugeteilt
hat.42 Akustisch ebenso nachteilig ist das heute übliche Bespielen der Bühne in die
Tiefe hinein. Wenn wir von den heutigen Opernhäusern mit ihren herausfordernden
Bedingungen in noch erhaltene Barocktheater zurückkehren, ist eine entsprechende
Anpassung der Gesangs- und Spieltechnik notwendig: diese Räume sind zugleich intim,
kammermusikalisch und intensiv.
Abbildungsnachweise
Abb.
1 Hammitzsch 1906, S. 100, 109, 157, 190–191, Fig. 72, 76, 107, 133 und 134;
Endmayr 1984, S. 23a, Abb. 10.
Abb. 2 Nachweis: Foto, Stiftung Schloss Friedenstein Gotha.
Abb. 3 http://www.saint-petersburg.com/museums/hermitage-museum/hermitage-
theatre/ (public domain).
41 Burghauser /
Spelda 1971, S. 146; Baumann 2011, S. 110 und 323.
42 Baumann 2014, S. 67–84, insbes. S. 82.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur