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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Akustik in Hoftheatern des 17. und 18. Jahrhunderts 285 Nach Bestimmung des Raumdämpfungsmaßes zeigt sich deutlich, dass es unter den betrachteten Theatern Gruppen mit ähnlichen akustischen Anforderungen gab. So lie- gen das Alte Wiener Burgtheater (1756) und das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth (1748), Theater der Kategorie B mit einem Raumvolumen von 5100 bis 5500  m3 und mittleren Nachhallzeiten von etwa 1 Sekunde mit einem Raumdämpfungsmaß von 22 bis 24  dB, recht nahe beieinander. In den größten Opernhäusern des 18.  Jahrhunderts der Größenkategorie C, einer Kategorie, die erst im 19.  Jahrhundert allgemein gebräuchlich wurde, zu welcher die bereits erwähnten Hoftheater San Carlo Neapel und La Scala Mailand mit einem Zu- schauerraum von 11.250–12.375  m3 gehören, müssen die Musiker ein zwei- bis dreimal größeres Raumvolumen füllen als bis dahin üblich. Trotz längeren Nachhallzeiten für mittlere Frequenzen von etwas über 1 Sekunde ist das Raumdämpfungsmaß in die- sen großen Theatern deshalb um 3 bis 6  dB grösser als in den kleineren Theatern des 17.  und 18.  Jahrhunderts. Um eine Dämpfung von 3  dB zu kompensieren, muss eine etwa doppelt so große Orchesterbesetzung eingesetzt werden, um die gleiche subjek- tive Lautstärke wie in den kleinen Theatern zu erreichen; 6  dB mehr erfordert eine Vervierfachung.41 Eine entsprechende Zunahme der Orchesterbesetzung lässt sich für die Streicher tatsächlich beobachten. Aus demselben Grund erfolgten im Instrumenten- bau bautechnische Maßnahmen zur Vergrößerung der Schallleistung. Die Singstimmen mussten jedoch durch Stimmbildung und Erfahrung zu besserer Leistung gebracht wer- den. Umso bedenklicher ist bei der Benützung der großen Theater deshalb die Tatsache, dass seit dem 20.  Jahrhundert das Singen im Proszenium meist nicht mehr möglich ist, weil man diesen Platz dem in diesen Bereich hinein verschobenen Orchester zugeteilt hat.42 Akustisch ebenso nachteilig ist das heute übliche Bespielen der Bühne in die Tiefe hinein. Wenn wir von den heutigen Opernhäusern mit ihren herausfordernden Bedingungen in noch erhaltene Barocktheater zurückkehren, ist eine entsprechende Anpassung der Gesangs- und Spieltechnik notwendig: diese Räume sind zugleich intim, kammermusikalisch und intensiv. Abbildungsnachweise Abb.  1 Hammitzsch 1906, S.  100, 109, 157, 190–191, Fig. 72, 76, 107, 133 und 134; Endmayr 1984, S.  23a, Abb.  10. Abb.  2 Nachweis: Foto, Stiftung Schloss Friedenstein Gotha. Abb.  3 http://www.saint-petersburg.com/museums/hermitage-museum/hermitage- theatre/ (public domain). 41 Burghauser  /  Spelda 1971, S.  146; Baumann 2011, S.  110 und 323. 42 Baumann 2014, S.  67–84, insbes. S.  82.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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