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Die (dramatische Musik in der) Schlafkammerbibliothek Kaiser Leopolds I.
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Nachleben der Sammlung
Nach des Kaisers Tod wurde die Sammlung verstreut. Sie ging wohl zunächst an Joseph
I.
(reg. 1705–1711) und später an Karl VI. (reg. 1711–1740) und wurde zumindest teils in
deren Sammlungen inkorporiert. Von Karls Bibliothek gibt es ebenfalls einen Katalog,
der frühestens 1739, wohl aber vor seinem Tod entstand.13 Einige wenige Musikalien
aus Leopolds Schlafkammerbibliothek wurden in Karls Sammlung überführt und neu
nummeriert (dazu weiter unten). Spätestens nach Karls Tod »verschwindet« die Samm-
lung. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wurde sie in die Hofmusik über-
führt. Dort lag sie, oder ihre Reste, als Moritz von Dietrichstein zum Hofmusikgrafen
ernannt wurde. Dietrichstein oder einer seiner Mitarbeiter erstellte schließlich 1825
einen Katalog dessen, was er noch als Leopolds Sammlung identifizieren konnte.14 Die-
ser wird zur Grundlage für die heute als »Leopoldina« geführte Sammlung, die als
inkomplett gilt. Mit der Verlagerung aus der Kapelle in die Hofbibliothek (Prunksaal)
wurde eine neue Nummerierung (»mittlere Signaturen«) erforderlich. Bei einem neu-
erlichen Umzug wurde die Sammlung schlussendlich »durchnummeriert«.15 In dieser
Form ist sie in der ÖNB erhalten.
In der Zeit, in der die Sammlung Teil der Hofkapellbestände war, verschwan-
den wesentliche Teile. Die 524 Nummern (mehrbändige Werke wurden einzeln
gezählt; die Anzahl der Positionen ist also kleiner) enthielten jedoch auch Noten
aus dem älteren Bestand der Hofkapelle, die mit Sicherheit nie zur Privatbiblio-
thek gehörten, sowie einige Werke, die erst nach dem Tod des Kaisers entstanden.
Andere, der Hofkapelle zugeschlagene Musikalien der Cubicularis werden bis jetzt
nicht als »Leopoldina« aufgeführt. Dabei geht es um einen Bestand von mindes-
tens 50, wenn nicht mehr Partituren. Vorlage für den Katalog dürften einerseits
alte Signaturen gewesen sein, andererseits die Einbände selbst mit dem Portrait
Leopolds und / oder dem kaiserlichen Wappen. Es könnte allerdings sein, dass der
Doppeladler auch auf Noten aus der Bibliothek Josephs I., über die bis jetzt nichts
bekannt ist, gestanden haben könnte. Buchdeckel, die denen der Schlafkammer-
bibliothek ähneln (in weißem Pergament gebunden und mit kaiserlichem Wappen),
13 A-Wn, Mus. Hs. 2452: Catalogo Delle Compositioni Musicalj: Continente, Oratori Sacri, Componimenti
da Camera, Serenate, et Opere. Composte, e Rappresentate, sotto il Gloriosissimo Governo della S:a Ces:a e
Real Catt:ca M:stà di Carlo VI. Imperadore de’ Romani sempre Augusto. dall’A:° 1712. Con un’ Appendice
in fine, d’alcune Compositioni Rappresentate in Tempo, che Regnarono gl’Aug:mi Imp:ri Leopoldo, e Giu-
seppe I:mi di sempre gloriosa Memoria: consistente di Sepolcri, Oratori Sacri, Componimenti da Camera, et
Opere. Compresovi le altre simili Composizioni Musicali dedicate humilissimamente alla stessa Ces:a e Real
Cattolica Maestà di Carlo
VI. Da diversi Autorj; von dem Regierungsantritt bis vor dem Tod des Kaisers;
letzte Einträge 1739.
14 A-Wn, Mus.
Hs.
2478: Verzeichniss jener Musikalien aus der Privat-Samlung weil: Allerhöchst: S:M: Kaiser
Leopold I., welche sich gegenwärtig noch in dem K.K. Hofmusikgrafenamts Archiv befinden. 1825.
15 Gmeiner 1994, S. 199–212, Tafel 14–20. Dort ist das »Nachleben« der Bibliothek ab 1825 ausführlich
dokumentiert.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur