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Greta Haenen
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wahrscheinlich sogar entschieden mehr. Hinzu kommen die Kompositionen des Kaisers
selbst (neben den Einlage-Arien und -Szenen): wie viel und was Leopold alles kompo-
niert hat, lässt sich wegen der Verluste nur noch sehr ungenau sagen. Aus dem Ord-
nungssystem heraus ließen sich aber eventuell Zuschreibungen bzw. auch Datierungen
machen, die Vermutungen unterstützen können.
Mehrere Bände der Privatbibliothek sind ohne Signatur erhalten. In einigen Fällen
nennt das Verzeichniss eine jetzt nicht mehr vorhandene, wegrestaurierte alte Signatur.
Einbände, deren Signatur nicht erhalten ist, kann ich nur bedingt für Zuschreibun-
gen verwenden, allerdings werde ich gelegentlich eine mögliche Signatur vorschlagen.
Neben Zuschreibungen kann man auch vage Datierungen machen. Sie lassen sich zum
Teil aus den Einbänden erschließen, z. B. aus dem Wappen, dem Kaiserbild, zum Teil
auch daraus, welcher Notist die Partitur geschrieben hat. Bei Letzteren handelt es sich
um die üblichen Notisten der Hofmusik: Alessandro Riotti, Gottfried Alois Gebauer u.
a.
Manchmal sind die Bände signiert (»GAG« z. B., oder es gibt charakteristische Feder-
zeichnungen, die auf Riotti hinweisen).
Gelegentlich gibt es auf einer Lage eine »frühe«, »mittlere« und eine »späte«
Schicht. Zum Beispiel: N.5.N.1. enthält Giuseppe Tricaricos La gara della misericordia
(1661) (späterer Einband), Schmelzers Le veglie ossequiose (1679), Pancottis Li tributi
(1681) und Andreas Anton Schmelzers Arien Zue Den Baletten (1680–85).23 Ein anderes
Beispiel: N.7. N.2. mit Bertalis (?) La Zenobia di Radamisto (1662) und Maria Magdalena
(1661) neben Melchior d’Ardespins Il segreto d’amore (nur die Ballettmusik) (1690) so-
wie Pietro Torris I preggi della primavera (1691).24
Der weitaus am häufigsten vertretene Komponist ist Antonio Draghi. Anhand sei-
nes Œuvres lässt sich die Ordnung der Bibliothek am leichtesten verfolgen. Außerdem
bieten seine Werke die Möglichkeit zu sehen, wie der kaiserliche Musikbibliothekar
mit den unterschiedlichen dramatischen Gattungen umgeht. Ich werde im Folgenden
Draghi zum Ausgangspunkt nehmen und andere Komponisten um ihn herum ordnen.
Ich fange an mit den »großen repräsentativen Opern«, die in der Regel Dreiakter
sind. Blau markierte Titel bezeichnen Werke, in denen es musikalische Einlagen des
Kaisers gibt, rot markierte Werke sind verschollen. In Klammern steht der Name des Li-
brettisten, sofern bekannt. Alle Handschriften liegen in der Österreichischen National-
bibliothek.
23 Heutige Signaturen resp. Mus. Hs. 18.716, 16.913, 18.895 und 16.588.
24 Heutige Signaturen resp. Mus. Hs. 16.530, 16.010, 17.656 und 17.742.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur