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Die gespiegelte Inszenierung?
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Bereich der Mittelloge zu beschränken. Der heute rot-goldene Gesamteindruck des Zu-
schauerraumes stammt von der letzten Renovierung vor vierzig Jahren, das ursprüng-
liche malerische Erscheinungsbild, für das der spätere Hofarchitekt Johann Ferdinand
Hetzendorf von Hohenberg verantwortlich zeichnete, haben wir uns wahrscheinlich
mit stärkeren blauen Akzenten vorzustellen.50
2.3 Schlosstheater Laxenburg
Seit der Regierungszeit Kaiser Leopolds I. weilte der Wiener Hof im Frühling stets für
einige Wochen zur Jagd in Laxenburg im Südosten der Residenzstadt.51 Hier bewohnte
die kaiserliche Familie ein mittelalterliches Wasserschloss, um das sich seit dem späten
17. Jahrhundert weitere adelige Sommersitze gruppierten. Anlässlich der Aufenthalte
des musikbegeisterten Kaisers kam es bereits im 17.
Jahrhundert zu regelmäßigen, vor
allem nachmittäglichen Opern- und Theateraufführungen in Laxenburg. Eigene Thea-
terräumlichkeiten existierten damals aber noch nicht, sondern es wurden temporäre
hölzerne Bauten im Garten errichtet, oder man spielte der Einfachheit halber unter
freiem Himmel; als natürliche Kulissen dienten dabei die Alleen des Schlossparks oder
der Wassergraben rund um das Schloss.52 Auch Kaiser Karl
VI. hielt sich jedes Jahr zur
Jagd in Laxenburg auf, weitreichende Bauarbeiten initiierten aber weder Leopold I.
noch sein Sohn Karl.53
Maria Theresia stand ausgedehnten Aufenthalten in Laxenburg anfangs reserviert
gegenüber, war doch ihre erst dreijährige Tochter Maria Elisabeth im Juni 1740 ganz
plötzlich dort verstorben;54 zu regelmäßigen und längeren Besuchen des habsburgi-
schen Jagdsitzes kam es erst wieder seit 1750.55 Ein erster Hinweis auf eine zukünftige
Nutzung von Laxenburg als Nebenresidenz findet sich in den Instruktionen für den
neuen Schlosshauptmann Joseph Casimir Chevalier de Majo (28. Juni 1748), in denen
es unter anderen heißt, dass »wir
[Maria Theresia] uns nacher Laxenburg des Jahrs hin-
durch öffters begeben, mithin in unserem Schloß aldorten residiren« werden.56 Nach
der ersten Ausbauphase von Schloss Schönbrunn (1743–1749) zeigte die Herrscherin
demnach auch in Laxenburg Interesse an einer baulichen Modernisierung des Anwe-
50 Endmayr 1984, S. 50–51 (Anm. 73), zit. den Restaurierungsbefund von Heliane Jarisch im Auftrag des
Bundesdenkmalamtes im September 1979 (BDA, ZI 7899/79).
51 Zur Schlossanlage von Laxenburg vgl. zuletzt ausführlich Laxenburg 2013 und Beck 2017, S. 414–493.
Beck bringt diverse Situationspläne und Grundrisse erstmals in eine chronologische Reihe.
52 Seifert 1985, S. 385, 409–411; Laxenburg 2013, S. 79–80.
53 Ebd., S.
110–112; Beck 2017, S. 416–419.
54 Khevenhüller-Metsch, Bd. 1 (1907), S. 170.
55 Beck 2017, S. 420.
56 HHStA, PFF (Privat- und Familienfonde), HA (Herrschaftsarchiv) Laxenburg, Band 8, pag. 10.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur