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Babette Ball-Krückmann
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unwissentlich am Grab ihres Gemahls von ihrem eigenen Sohn Ninias erstochen.
Dadurch vereinigt sie sich ein zweites Mal mit Ninus, dessen Tod nun gesühnt ist
(III. Akt, 4.–10. Szene).
Weshalb verzichtet Carlo hier so offensichtlich auf architektonische Komplexi-
tät, eines der wichtigsten Charakteristika bibienesker Bühnenbilder und dadurch auf
die damit verbundene Repräsentationsfunktion der Architektur? Seine gestalterische
Zurückhaltung findet ihre Erklärung nicht allein in einer sich in seinem Werk früh
bemerkbar machenden klassizistischen Tendenz zur Vereinfachung,24 sondern in der
Bayreuther Situation selbst. Als Librettistin war Wilhelmine von Bayreuth auch für die
Festlegung der Verwandlungen zuständig. Es dürfte kein Zufall gewesen sein, dass sie
für den Wendepunkt des Geschehens ein besonderes Bühnenbild verwirklicht sehen
wollte. Nur wenige Jahre vor der Inszenierung der Semiramis entstand das sogenannte
Neue Schloss im unweit von Bayreuth gelegenen Park der Eremitage, ein architekto-
nisch ungewöhnliches Ensemble (Abb.
11).25 Verschiedene freistehende Bauglieder sind
zu einem in sich geschlossenen Areal zusammengefügt. An zwei geschwungene Flügel-
gebäude mit vorgelagerten Arkadengängen schlossen sich auf beiden Seiten nicht mehr
erhaltene, überkuppelte Volieren an.26 Ihnen folgen wiederum kurvierte, aus Holzlatten
gefügte, Treillagengänge, in deren Nischen Steinvasen mit mythologischen Szenen auf-
gestellt sind. Zusammen umfassen sie ein großes Bassin, in dem sich Tritonengruppen,
Fabelwesen und Putten tummeln, aus welchen die Fontänen aufsteigen. Die Anlage
kulminiert im Tempel des Sonnengottes Apoll, der sich auf der Kuppel in seinem von
einer Quadriga gezogenen Wagen zeigt und sein ihm zu Füßen liegendes Reich über-
blickt, verkörpert durch die vier Elemente: Feuer ist durch Apoll selbst gegenwärtig,
Wasser durch das Bassin, auf die Erde verweisen zahlreiche Orangenbäumchen und die
Vögel in den Volieren verkörpern die Luft. Der Hauptzugang zu dem leicht abfallenden
24 Ball-Krückmann 1998, S. 129–130.
25 Vgl. hierzu Krückmann 2011.
26 Sie wurden zunächst als Menagerien und Orangerien genutzt; 1753 wurde der Ostflügel für Markgraf
Friedrich in eine Wohnung umgewandelt. Abbildung 11. Bayreuth,
Neues Schloss Eremitage
(1749–1753) mit dem Son-
nentempel im Zentrum.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Title
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Subtitle
- Hof – Oper – Architektur
- Authors
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Editor
- Matthias Müller
- Publisher
- Heidelberg University Publishing
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Size
- 19.3 x 26.0 cm
- Pages
- 618
- Keywords
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Category
- Kunst und Kultur