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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
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Babette Ball-Krückmann 524 unwissentlich am Grab ihres Gemahls von ihrem eigenen Sohn Ninias erstochen. Dadurch vereinigt sie sich ein zweites Mal mit Ninus, dessen Tod nun gesühnt ist (III.  Akt, 4.–10.  Szene). Weshalb verzichtet Carlo hier so offensichtlich auf architektonische Komplexi- tät, eines der wichtigsten Charakteristika bibienesker Bühnenbilder und dadurch auf die damit verbundene Repräsentationsfunktion der Architektur? Seine gestalterische Zurückhaltung findet ihre Erklärung nicht allein in einer sich in seinem Werk früh bemerkbar machenden klassizistischen Tendenz zur Vereinfachung,24 sondern in der Bayreuther Situation selbst. Als Librettistin war Wilhelmine von Bayreuth auch für die Festlegung der Verwandlungen zuständig. Es dürfte kein Zufall gewesen sein, dass sie für den Wendepunkt des Geschehens ein besonderes Bühnenbild verwirklicht sehen wollte. Nur wenige Jahre vor der Inszenierung der Semiramis entstand das sogenannte Neue Schloss im unweit von Bayreuth gelegenen Park der Eremitage, ein architekto- nisch ungewöhnliches Ensemble (Abb.  11).25 Verschiedene freistehende Bauglieder sind zu einem in sich geschlossenen Areal zusammengefügt. An zwei geschwungene Flügel- gebäude mit vorgelagerten Arkadengängen schlossen sich auf beiden Seiten nicht mehr erhaltene, überkuppelte Volieren an.26 Ihnen folgen wiederum kurvierte, aus Holzlatten gefügte, Treillagengänge, in deren Nischen Steinvasen mit mythologischen Szenen auf- gestellt sind. Zusammen umfassen sie ein großes Bassin, in dem sich Tritonengruppen, Fabelwesen und Putten tummeln, aus welchen die Fontänen aufsteigen. Die Anlage kulminiert im Tempel des Sonnengottes Apoll, der sich auf der Kuppel in seinem von einer Quadriga gezogenen Wagen zeigt und sein ihm zu Füßen liegendes Reich über- blickt, verkörpert durch die vier Elemente: Feuer ist durch Apoll selbst gegenwärtig, Wasser durch das Bassin, auf die Erde verweisen zahlreiche Orangenbäumchen und die Vögel in den Volieren verkörpern die Luft. Der Hauptzugang zu dem leicht abfallenden 24 Ball-Krückmann 1998, S.  129–130. 25 Vgl. hierzu Krückmann 2011. 26 Sie wurden zunächst als Menagerien und Orangerien genutzt; 1753 wurde der Ostflügel für Markgraf Friedrich in eine Wohnung umgewandelt. Abbildung  11.  Bayreuth, Neues Schloss Eremitage (1749–1753) mit dem Son- nentempel im Zentrum.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Titel
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Untertitel
Hof – Oper – Architektur
Autoren
Margret Scharrer
Heiko Laß
Herausgeber
Matthias Müller
Verlag
Heidelberg University Publishing
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Abmessungen
19.3 x 26.0 cm
Seiten
618
Schlagwörter
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Kategorie
Kunst und Kultur
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