Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Kunst und Kultur
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur
Page - 544 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 544 - in Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur

Image of the Page - 544 -

Image of the Page - 544 - in Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur

Text of the Page - 544 -

Margret Scharrer 544 angesehen werden. Bestimmte fremdländische Abbilder werden nachgeahmt, erfahren eine Verklärung, Idealisierung aber auch Verformung. Verfremdungsprozesse werden in Gang gesetzt. Annegret Maschke weist darauf hin, dass die Rezeption von Exotika oft ohne tieferes Verständnis oder Kennenlernen der jeweiligen Fremdkulturen erfolgt. Die Illusion des Anderen, Außergewöhnlichen und Kostbaren bedingt das Interesse, reizt zur Kreation einer dem Alltag enthobenen Atmosphäre. Das Phantastische ver- mischt sich mit realen Momenten und Zuständen, es kommt zur Erschaffung von stilisierten, realitätsfernen Gegenwelten, die die eigenen Begierden und Sehnsüchte widerspiegeln. Das »Fremde« fungiert dabei zumeist als »als Projektionsfläche eige- ner Wünsche«.12 Der eigene gesellschaftliche und psychische Hintergrund ist bei der Wahrneh- mung und Wertung von Fremdkulturen als grundsätzlicher Gradmesser stets vor- handen.13 Damit in Verbindung steht das latente In-Bezug-Setzen und Abgrenzen der eigenen Kultur gegenüber dem ›Fremden‹, das zumeist aus hierarchischer Per- spektive erfolgt und eine Aufwertung der eigenen Identität einschließt.14 Peter Revers verweist in diesem Zusammenhang auf das europäische Selbstverständnis als »nor- mative Instanz«.15 Die Auseinandersetzung mit dem unbekannten ›Anderen‹ kann nicht nur das Bild positiver Eigenbetrachtungen oder Gegenwelten, sondern auch Urängste und Unsi- cherheit hervorrufen.16 Die Angst vor dem Ausgeliefert-Sein in einer unbekannten, ›wilden‹ und ›barbarischen‹ Kultur, in der nicht mehr die bekannten Spielregeln und Gesetze der eigenen Zivilisation gelten, spielt eine wesentliche Rolle. Sowohl in diesem Zusammenhang als auch in Verbindung zu Hierarchisierungen kommt es zur Ausbil- dung von Vorurteilen, Pauschalisierungen, Stigmatisierungen, die offen geäußert wer- den oder versteckt als Metatext mitschwingen. Je nach Gewandung des Exotischen können demnach bestimmte Bedeutungsinhalte, Ängste, Hoffnungen, Wünsche, Vorurteile oder Eigenbilder in höfischen und theatralen Kontexten transportiert und inszeniert werden. Wie sich dies gestaltet, soll nun anhand einzelner Beispiele gezeigt werden. 12 Zit. Maschke 1996, S.  16, siehe dazu auch S.  14–15 sowie Bausinger 1987, S.  2; Kienlin 2015, S.  1–2. Mit Blick auf die Antike siehe Scharrer 2004, S.  313–314. 13 Bausinger 1987, S.  1. 14 Siehe zu diesen Ausführungen Nochlin 1987. Zu diesem Phänomen bereits in der Antike siehe Scharrer 2004, S.  312–313. 15 Revers 1997, S.  27. 16 Bausinger 1987, S.  1–2.
back to the  book Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa - Hof – Oper – Architektur"
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa Hof – Oper – Architektur
Title
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Subtitle
Hof – Oper – Architektur
Authors
Margret Scharrer
Heiko Laß
Editor
Matthias Müller
Publisher
Heidelberg University Publishing
Date
2020
Language
German
License
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-3-947732-36-4
Size
19.3 x 26.0 cm
Pages
618
Keywords
Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
Category
Kunst und Kultur
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa