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Margret Scharrer
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angesehen werden. Bestimmte fremdländische Abbilder werden nachgeahmt, erfahren
eine Verklärung, Idealisierung aber auch Verformung. Verfremdungsprozesse werden
in Gang gesetzt. Annegret Maschke weist darauf hin, dass die Rezeption von Exotika
oft ohne tieferes Verständnis oder Kennenlernen der jeweiligen Fremdkulturen erfolgt.
Die Illusion des Anderen, Außergewöhnlichen und Kostbaren bedingt das Interesse,
reizt zur Kreation einer dem Alltag enthobenen Atmosphäre. Das Phantastische ver-
mischt sich mit realen Momenten und Zuständen, es kommt zur Erschaffung von
stilisierten, realitätsfernen Gegenwelten, die die eigenen Begierden und Sehnsüchte
widerspiegeln. Das »Fremde« fungiert dabei zumeist als »als Projektionsfläche eige-
ner Wünsche«.12
Der eigene gesellschaftliche und psychische Hintergrund ist bei der Wahrneh-
mung und Wertung von Fremdkulturen als grundsätzlicher Gradmesser stets vor-
handen.13 Damit in Verbindung steht das latente In-Bezug-Setzen und Abgrenzen
der eigenen Kultur gegenüber dem ›Fremden‹, das zumeist aus hierarchischer Per-
spektive erfolgt und eine Aufwertung der eigenen Identität einschließt.14 Peter Revers
verweist in diesem Zusammenhang auf das europäische Selbstverständnis als »nor-
mative Instanz«.15
Die Auseinandersetzung mit dem unbekannten ›Anderen‹ kann nicht nur das Bild
positiver Eigenbetrachtungen oder Gegenwelten, sondern auch Urängste und Unsi-
cherheit hervorrufen.16 Die Angst vor dem Ausgeliefert-Sein in einer unbekannten,
›wilden‹ und ›barbarischen‹ Kultur, in der nicht mehr die bekannten Spielregeln und
Gesetze der eigenen Zivilisation gelten, spielt eine wesentliche Rolle. Sowohl in diesem
Zusammenhang als auch in Verbindung zu Hierarchisierungen kommt es zur Ausbil-
dung von Vorurteilen, Pauschalisierungen, Stigmatisierungen, die offen geäußert wer-
den oder versteckt als Metatext mitschwingen.
Je nach Gewandung des Exotischen können demnach bestimmte Bedeutungsinhalte,
Ängste, Hoffnungen, Wünsche, Vorurteile oder Eigenbilder in höfischen und theatralen
Kontexten transportiert und inszeniert werden. Wie sich dies gestaltet, soll nun anhand
einzelner Beispiele gezeigt werden.
12 Zit. Maschke 1996, S. 16, siehe dazu auch S. 14–15 sowie Bausinger 1987, S. 2; Kienlin 2015, S. 1–2.
Mit Blick auf die Antike siehe Scharrer 2004, S. 313–314.
13 Bausinger 1987, S. 1.
14 Siehe zu diesen Ausführungen Nochlin 1987. Zu diesem Phänomen bereits in der Antike siehe
Scharrer 2004, S. 312–313.
15 Revers 1997, S. 27.
16 Bausinger 1987, S. 1–2.
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Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
Hof – Oper – Architektur
- Titel
- Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa
- Untertitel
- Hof – Oper – Architektur
- Autoren
- Margret Scharrer
- Heiko Laß
- Herausgeber
- Matthias Müller
- Verlag
- Heidelberg University Publishing
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-3-947732-36-4
- Abmessungen
- 19.3 x 26.0 cm
- Seiten
- 618
- Schlagwörter
- Kunstgeschichte, Architektur, Oper, art history, architecture, opera
- Kategorie
- Kunst und Kultur