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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
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zentrale Rolle zuwies,38oder die geschichtswissenschaftlichenEinschätzungen des Historikers Klaus Hildebrand zur monokratischen Struktur des »Dritten Reichs«versucht.39 Eine solche altbekannte historiographische Erzählfigur, in der, einer tradi- tionellenPersonen-undHerrschaftsgeschichtsschreibung folgendnurwenigen Entscheidungsträgern, meist einzelnen Männern (hier nur Hitler), eine ent- scheidende handlungstragende Macht zugeschrieben wird, welche dieWirk- lichkeit prägten (»machen«), gilt heute als höchst fragwürdig. Eine derartige Personalisierung,wiesieebenetwaauchimHistorismusvertretenwurde,sperrt sichgegendiegeschichtstheoretischgültigeErkenntnis, daß nachMarx noch immer eher die Umstände dieMenschen bestimmen, als daß umgekehrtdieMenschendieVerhältnissebestimmen[…].Sie läuftauchderAbsicht derGeschichtswissenschaft zuwider, dieVergangenheit als einenZusammenhang zu begreifen, indenalleMenschenhandelndund leidendeingebundensind.40 Mankanndies anhandverschiedenerVertreterdesneunzehnten Jahrhunderts aufzeigen (u.a. Thomas Carlyle, Ralph Waldo Emerson, Friedrich Wilhelm Nitzsche,HeinrichvonTreitschke),41diealleeinengeschichtsmächtigenFaktor inderPersönlichkeit vongroßenMännernerkannten.Bergmannentgegnet je- doch: GeschichtealsdasResultatdesWirkensgroßerPersönlichkeitenzubegreifen,erspart die geistige Anstrengung, das komplizierte Beziehungsgefüge und dialektische Ver- hältnisgeschichtsbeeinflussenderFaktorenaufzudeckenundzuanalysieren,undschuf dieMöglichkeit,dieVergangenheitund–vorallem–die immerkomplizierter, immer undurchschaubarerwerdendeGegenwart scheinbarplausibel zudeuten.42 Hans-Ulrich Wehler fasst das Problem im Zusammenhang mit Adolf Hitler folgendermaßen: NichtHitlers individuelle Psychopathologie ist das eigentlicheProblem, sondernder ZustandderGesellschaft, die ihnaufsteigenundbis zumApril 1945herrschen ließ.43 38 Vgl.KarlDietrichBracher, ZeitgeschichtlicheKontroversenumFaschismus,Totalitarismus, Demokratie,München:Piper, 1984. 39 Kershaw,DerNS-Staat, 119f. 40 KlausBergmann, »Personalisierung, Personifizierung«, in: ders. u.a. (Hg.),Handbuchder Geschichtsdidaktik, Seelze-Velber:Kallmeyer, 1997, 298–300, 298. 41 Vgl.ders.,PersonalisierungimGeschichtsunterricht–ErziehungzurDemokratie?,Stuttgart: Klett, 2.Auflage 1977, 17ff.; BarbaraCaine,BiographyandHistory,Houndsmill: Palgrave/ MacMillan, 2010, 11ff. 42 Bergmann,Personalisierung imGeschichtsunterricht–ErziehungzuDemokratie?, 18f. 43 Hans-UlrichWehler,»ZumVerhältnisvonGeschichteundPsychoanalyse«,in:HZ208(1969) 529–554, 141. ChristophKühberger192 Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Title
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Subtitle
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Authors
Roland Bernhard
Susanne Grindel
Felix Hinz
Editor
Christoph Kühberger
Publisher
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-0686-6
Size
15.5 x 23.2 cm
Pages
294
Category
Lehrbücher
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