Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Lehrbücher
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Seite - 192 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 192 - in Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag

Bild der Seite - 192 -

Bild der Seite - 192 - in Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag

Text der Seite - 192 -

zentrale Rolle zuwies,38oder die geschichtswissenschaftlichenEinschätzungen des Historikers Klaus Hildebrand zur monokratischen Struktur des »Dritten Reichs«versucht.39 Eine solche altbekannte historiographische Erzählfigur, in der, einer tradi- tionellenPersonen-undHerrschaftsgeschichtsschreibung folgendnurwenigen Entscheidungsträgern, meist einzelnen Männern (hier nur Hitler), eine ent- scheidende handlungstragende Macht zugeschrieben wird, welche dieWirk- lichkeit prägten (»machen«), gilt heute als höchst fragwürdig. Eine derartige Personalisierung,wiesieebenetwaauchimHistorismusvertretenwurde,sperrt sichgegendiegeschichtstheoretischgültigeErkenntnis, daß nachMarx noch immer eher die Umstände dieMenschen bestimmen, als daß umgekehrtdieMenschendieVerhältnissebestimmen[…].Sie läuftauchderAbsicht derGeschichtswissenschaft zuwider, dieVergangenheit als einenZusammenhang zu begreifen, indenalleMenschenhandelndund leidendeingebundensind.40 Mankanndies anhandverschiedenerVertreterdesneunzehnten Jahrhunderts aufzeigen (u.a. Thomas Carlyle, Ralph Waldo Emerson, Friedrich Wilhelm Nitzsche,HeinrichvonTreitschke),41diealleeinengeschichtsmächtigenFaktor inderPersönlichkeit vongroßenMännernerkannten.Bergmannentgegnet je- doch: GeschichtealsdasResultatdesWirkensgroßerPersönlichkeitenzubegreifen,erspart die geistige Anstrengung, das komplizierte Beziehungsgefüge und dialektische Ver- hältnisgeschichtsbeeinflussenderFaktorenaufzudeckenundzuanalysieren,undschuf dieMöglichkeit,dieVergangenheitund–vorallem–die immerkomplizierter, immer undurchschaubarerwerdendeGegenwart scheinbarplausibel zudeuten.42 Hans-Ulrich Wehler fasst das Problem im Zusammenhang mit Adolf Hitler folgendermaßen: NichtHitlers individuelle Psychopathologie ist das eigentlicheProblem, sondernder ZustandderGesellschaft, die ihnaufsteigenundbis zumApril 1945herrschen ließ.43 38 Vgl.KarlDietrichBracher, ZeitgeschichtlicheKontroversenumFaschismus,Totalitarismus, Demokratie,München:Piper, 1984. 39 Kershaw,DerNS-Staat, 119f. 40 KlausBergmann, »Personalisierung, Personifizierung«, in: ders. u.a. (Hg.),Handbuchder Geschichtsdidaktik, Seelze-Velber:Kallmeyer, 1997, 298–300, 298. 41 Vgl.ders.,PersonalisierungimGeschichtsunterricht–ErziehungzurDemokratie?,Stuttgart: Klett, 2.Auflage 1977, 17ff.; BarbaraCaine,BiographyandHistory,Houndsmill: Palgrave/ MacMillan, 2010, 11ff. 42 Bergmann,Personalisierung imGeschichtsunterricht–ErziehungzuDemokratie?, 18f. 43 Hans-UlrichWehler,»ZumVerhältnisvonGeschichteundPsychoanalyse«,in:HZ208(1969) 529–554, 141. ChristophKühberger192 Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY
zurück zum  Buch Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag"
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Titel
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Untertitel
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Autoren
Roland Bernhard
Susanne Grindel
Felix Hinz
Herausgeber
Christoph Kühberger
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-0686-6
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
294
Kategorie
Lehrbücher
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern