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schichtsschulbücher Aspekte des nationalsozialistischen Hitler-Mythos (z.B.
Führerkult, Führer-Mythos,Propagandastrategien) thematisieren.Weitauskri-
tischer sollteman jedoch jene empirischenErgebnisse sehen, welche belegen,
dasssich indenAutorentextenderSchulbücher,also in ihrenNarrationenüber
denNationalsozialismus,einveritablerAnteilanpersonalisiertenDarstellungen
festgesetzt hat. Damit ist gemeint, dassAdolfHitlermassiv als Agens auftritt,
undderAnscheinerwecktwird, erpersönlich seidurchseinHandeln für viele
Momente alleine verantwortlich gewesen. Hitler wird damit inmehreren Ge-
schichtsschulbüchern einebesonderehandlungstragendeRolle zugeschrieben,
die auf diese Art undWeise jedoch sowohl aus geschichtswissenschaftlicher
Perspektivekritischgesehen,alsauchimSinnderVermittlungvonhistorischen
Inhalten – folgt man vor allem der von Klaus Bergmann entwickelten Per-
spektiveaufdiesesProblem–abgelehntwird.DieErgebnissederquantitativen
Erhebungmüssendabeiaber jeweilskritischbewertetwerden.Dennochgeben
dieDurchschnittswerte zudenKapitelnüberdenNationalsozialismus,die zei-
gen, dassHitler pro Seite zwischen0,19unddreiMal alsAgens erwähntwird,
ersteHinweise darauf,wie unterschiedlichdie Schulbuchnarrationenmit dem
Sachverhaltumgehen.EinSchulbuchnenntHitler auf einerSeite sogar25Mal.
Weitaus interessanter sind jedoch jeneAuswertungen,dienachderPositionie-
rungHitlersimZusammenhangmitverschiedeneninhaltlichenSchwerpunkten
fragten.Dortkonntegezeigtwerden,dasseinerseitsdieMachtübertragungund
derAufstieg derNSDAPengmit Adolf Hitler als handelnde Person verquickt
werden, andererseits aber dieDarstellung vonVerfolgung imRegimeundder
Holocausts nur in einem sehr geringenAusmaß aufHitler als Agens zurück-
greifen. Neun von 13 Schulbüchern nennen Hitler im zuletzt genannten Zu-
sammenhangnureinMaloderüberhauptnicht.
Angesichts dieser Ergebnisse wird es einer anhaltenden geschichtsdidakti-
schenReflexion bedürfen, inwieweit Adolf Hitler als erklärenderHauptmotor
eines gesamtgesellschaftlichen Prozesses im einundzwanzigsten Jahrhundert
nochtragfähigist.Vermutlichbedarfesdiesbezüglichaberzusätzlichauchnoch
einer allgemeinerenDiskussion, dieüberdieNS-Geschichte hinausgeht.Denn
gerade die Darstellungen über den Holocaust verdeutlichen, dass punktuelle
Kritik zwarWirksamkeit zeigen kann, doch in einemTeilbereich des histori-
schenLernensgenerierteEinsichtennichtautomatischauchaufandereTeileder
Geschichtebzw. ihrerAbfassungEinflusshaben.
Abschließend soll aus geschichtsdidaktischer Perspektive darauf verwiesen
werden,dass einderartiger empirischerEinblicknicht zuden falschenSchlüs-
senfürdasMediumGeschichtsschulbuchführensollte.Geschichtewirdimmer
auf verschiedeneArten erzähltwerden. Eine »wahreGeschichte« ist in diesem
Sinn nicht möglich. Worüber man jedoch nachdenken sollte ist, inwieweit
Schulbücher dieses Problemzu ihrer ureigenenAufgabe als Lernmediumma-
Hitler-Mythen inösterreichischenGeschichtsschulbüchern 209
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
- Title
- Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
- Subtitle
- Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
- Authors
- Roland Bernhard
- Susanne Grindel
- Felix Hinz
- Editor
- Christoph Kühberger
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-0686-6
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 294
- Category
- Lehrbücher