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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Seite - 209 -
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schichtsschulbücher Aspekte des nationalsozialistischen Hitler-Mythos (z.B. Führerkult, Führer-Mythos,Propagandastrategien) thematisieren.Weitauskri- tischer sollteman jedoch jene empirischenErgebnisse sehen, welche belegen, dasssich indenAutorentextenderSchulbücher,also in ihrenNarrationenüber denNationalsozialismus,einveritablerAnteilanpersonalisiertenDarstellungen festgesetzt hat. Damit ist gemeint, dassAdolfHitlermassiv als Agens auftritt, undderAnscheinerwecktwird, erpersönlich seidurchseinHandeln für viele Momente alleine verantwortlich gewesen. Hitler wird damit inmehreren Ge- schichtsschulbüchern einebesonderehandlungstragendeRolle zugeschrieben, die auf diese Art undWeise jedoch sowohl aus geschichtswissenschaftlicher Perspektivekritischgesehen,alsauchimSinnderVermittlungvonhistorischen Inhalten – folgt man vor allem der von Klaus Bergmann entwickelten Per- spektiveaufdiesesProblem–abgelehntwird.DieErgebnissederquantitativen Erhebungmüssendabeiaber jeweilskritischbewertetwerden.Dennochgeben dieDurchschnittswerte zudenKapitelnüberdenNationalsozialismus,die zei- gen, dassHitler pro Seite zwischen0,19unddreiMal alsAgens erwähntwird, ersteHinweise darauf,wie unterschiedlichdie Schulbuchnarrationenmit dem Sachverhaltumgehen.EinSchulbuchnenntHitler auf einerSeite sogar25Mal. Weitaus interessanter sind jedoch jeneAuswertungen,dienachderPositionie- rungHitlersimZusammenhangmitverschiedeneninhaltlichenSchwerpunkten fragten.Dortkonntegezeigtwerden,dasseinerseitsdieMachtübertragungund derAufstieg derNSDAPengmit Adolf Hitler als handelnde Person verquickt werden, andererseits aber dieDarstellung vonVerfolgung imRegimeundder Holocausts nur in einem sehr geringenAusmaß aufHitler als Agens zurück- greifen. Neun von 13 Schulbüchern nennen Hitler im zuletzt genannten Zu- sammenhangnureinMaloderüberhauptnicht. Angesichts dieser Ergebnisse wird es einer anhaltenden geschichtsdidakti- schenReflexion bedürfen, inwieweit Adolf Hitler als erklärenderHauptmotor eines gesamtgesellschaftlichen Prozesses im einundzwanzigsten Jahrhundert nochtragfähigist.Vermutlichbedarfesdiesbezüglichaberzusätzlichauchnoch einer allgemeinerenDiskussion, dieüberdieNS-Geschichte hinausgeht.Denn gerade die Darstellungen über den Holocaust verdeutlichen, dass punktuelle Kritik zwarWirksamkeit zeigen kann, doch in einemTeilbereich des histori- schenLernensgenerierteEinsichtennichtautomatischauchaufandereTeileder Geschichtebzw. ihrerAbfassungEinflusshaben. Abschließend soll aus geschichtsdidaktischer Perspektive darauf verwiesen werden,dass einderartiger empirischerEinblicknicht zuden falschenSchlüs- senfürdasMediumGeschichtsschulbuchführensollte.Geschichtewirdimmer auf verschiedeneArten erzähltwerden. Eine »wahreGeschichte« ist in diesem Sinn nicht möglich. Worüber man jedoch nachdenken sollte ist, inwieweit Schulbücher dieses Problemzu ihrer ureigenenAufgabe als Lernmediumma- Hitler-Mythen inösterreichischenGeschichtsschulbüchern 209 Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Titel
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Untertitel
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Autoren
Roland Bernhard
Susanne Grindel
Felix Hinz
Herausgeber
Christoph Kühberger
Verlag
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-0686-6
Abmessungen
15.5 x 23.2 cm
Seiten
294
Kategorie
Lehrbücher
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