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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern - Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
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Das Projekt der Reichsautobahnwurde von denNationalsozialisten durch flankierende Propagandamaßnahmen vor allem zur »mentalen Aufrüstung« genutzt. Entscheidendwar die wirtschaftliche Ausrichtung auf denKrieg, die sinkendenArbeitslosenzahlen stellten imGrunde eher einNebenprodukt der Kriegsvorbereitung dar.20 1933 waren rund 1000 Arbeitende für den ersten Streckenabschnitt tätig, bisDezember4000und1934waren84.000Arbeitende imgesamten»UnternehmenReichsautobahn«beschäftigt.DerMaximalzahlvon 125.000 direktenArbeitsplätzen im Jahr 1936 standen rund 1,8MillionenAr- beitslosegegenüber. ImDezember1938warennoch91.000Arbeitendemitdem Autobahnbaubeschäftigt und3000Kilometer Strecke inBetrieb genommen.21 Bis zurEinstellungderArbeiten imFrühjahr1942wurden3860KilometerAu- tobahnen gebaut, die Zielplanung hatte bei 7000 Kilometer (mitÖsterreich 12.000) gelegen.Dies stellt denFaktenkerndesMythos dar.DerAutobahnbau wurdenicht inersterLiniealsArbeitsbeschaffungsmaßnahme, sondernalsTeil des»nationalsozialistischenAufbauprogramms«gesehen,er trugzwarbegrenzt zumWirtschaftsaufschwung bei (Zulieferer,Maschinenbau, Baustoffindustrie, Motorisierungu.a.),war abernurunerheblich amRückgangderArbeitslosig- keit beteiligt.22 Motorisierung Am11.Februar 1933 eröffneteHitler die Internationale Automobil- undMo- torradausstellung und kündigte die Förderung der Motorisierung und des Straßenbausan.1935kameninDeutschland16Pkwauf tausendEinwohner, im Vergleich waren es zu dieser Zeit in den USA 204, in Frankreich 49 und in Großbritannien45.Bis 1938 stiegdieGesamtzahl derPkwzwarauf 1,2Millio- nen, lag aber weiterhin hinter denZahlen in denUSA, FrankreichundGroß- britannien, so dass 1938 der Highway Commissioner ofMichigan feststellte: »Germany has the roads while we have the traffic.«23Kein Autobahnarbeiter 20 Vgl.AdamTooze,ÖkonomiederZerstörung.DieGeschichte derWirtschaft imNationalso- zialismus,München: Siedler, 2007, 37ff, 45ff., 55; Buchheim,DasNS-Regime, 402ff.; Hu- mann, »Arbeitsschlacht«, 712ff. Bzgl. der Methoden und Zwangsmaßnahmen der wirt- schaftlichen Kriegsvorbereitung und der »Arbeitsschlacht« vgl. Klaus Behnke (Hg.), Deutschland-Berichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (Sopade) 1934–1940, Salzhausen:VerlagPetraNettelbeck, 1980, 1934, 22ff., 214ff., 581ff. 21 Vgl. DetlevHumann, »Arbeitsschlacht«, 96ff.; UlrichHerbert u.a. (Hg.), Statistiken, Tab. Anh.*/33, 83;Ludwig,Technikund Ingenieure, 334f. 22 Vgl.Tooze,ÖkonomiederZerstörung, 69ff.;Ritschl,Beschäftigungspolitik, 128ff. 23 ZitiertnachZeller,DrivingGermany,52;vgl.BruceE.Seely,»DeramerikanischeBlickaufdie deutschen Autobahnen, Deutsche und amerikanische Autobahnbauer 1930–1965«, in: TobiasKuster222 Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY
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Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Title
Mythen in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern
Subtitle
Von Marathon bis zum Élyseée-Vertrag
Authors
Roland Bernhard
Susanne Grindel
Felix Hinz
Editor
Christoph Kühberger
Publisher
Vandenhoeck & Ruprecht Verlage
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-7370-0686-6
Size
15.5 x 23.2 cm
Pages
294
Category
Lehrbücher
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