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bedeutenden weiblichen Filmemachern der Filmgeschichte. 1908 führt sie erstmals Regie bei
dem Film „Am Gänsehäusl“; damit wäre sie die erste Filmregisseurin der k. u. k Monarchie, was
allerdings nicht ganz gesichert ist. Ihre gesicherte filmische Karriere begann 1910, als sie zusam-
men mit ihrem Mann Anton Kolm und dem Regisseur Jakob Fleck sowie ihrem Bruder die
„Erste österreichische Kinofilm-Industrie“, die erste österreichisch-ungarische Filmproduktions-
firma, gegründet hatte. Diese Firma wurde 1911 in „Wiener Kunstfilm-Industrie“ umbenannt.
Dabei kristallisierte sich L. F. als der künstlerische Kopf heraus
– sie war als Regisseurin und Pro-
duktionsleiterin tätig, während Anton Kolm sich vor allem um den finanziellen Teil kümmerte.
1919 gründete sie mit ihrem Mann die „Vita Film“, die fünf Jahre später jedoch Pleite ging. Seit
1911 führten L. K. und Jakob Fleck eine Regie-Partnerschaft. Das Ehepaar Kolm-Fleck über-
siedelt nach Deutschland und setzt dort ab 1926 seine Regietätigkeit für Berliner Produktions-
gesellschaften fort, u. a. für Liddy Hegewald und die Ufa. Von 1923 –1933 leben und arbeiten
die Flecks mit dem Sohn Walter in Berlin. In diesem Zeitraum drehen sie 30 – 40 Filme. Mit
dem Aufkommen des Tonfilms nahmen die filmischen Arbeiten ab, dies lag nicht zuletzt an
den politischen Umständen, die durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten viele Künstler
beeinträchtigten. 1933 kehrt die Familie zurück nach Wien, da Jakob Fleck Jude ist. Für Hege-
wald-Film produzieren sie noch weiter in Österreich und Prag, wobei der Sohn Walter pro forma
für die Regie verantwortlich ist. Der letzte Film, den die Flecks in Österreich realisieren, ist das
Anzengruber-Melodram „Der Pfarrer von Kirchfeld“ (1937). Nach dem „Anschluss“ Österreichs
an das Deutsche Reich 1938 fällt für die Flecks jegliche Berufstätigkeit im Filmmetier aus. Nach
einer 16 Monate langen Tortur ihres Ehemannes durch die KZs Buchenwald und Dachau, konn-
te das Ehepaar auf Intervention von Wilhelm Dieterle, der durch seine Rolle in „Der Pfarrer von
Kirchfeld“ (1926) sehr bekannt geworden war und dem Ehepaar ein Affidavit stellte, nach China
fliehen. 1940 emigrieren die Flecks nach Shanghai. Dort entstand ihre letzte filmische Arbeit
„Söhne und Töchter der Welt“ (1941) zusammen mit Regisseur Fei Mu, der am 4. Oktober 1941
im Jindu Theater in Shanghai Premiere hat. Nach einer Zeit voller Entbehrungen kehren L. und
Jakob Fleck 1947 nach Österreich zurück, wo sie ihren Lebensabend verbrachten.
L.: Guoqiang 1999, Hansch/Waz 1998, Nepf 1991, Seeber 2003, http://www.deutsches-
filminstitut.de/, http://www.cyranos.ch/
Fleisch von Lerchenberg Eva Maria, geb. Rettinger; Äbtissin
Geb. 20. 10. 1586
Gest. 26. 11. 1641
Herkunft, Verwandtschaften: E. M. F. v. L. war eine geborene Rettinger und mit dem kaiser-
lichen Rat und Unterkammergrafen in sieben ungarischen Bergstädten Georg Fleisch von
Lerchenberg verheiratet. Über ihren familiären Hintergrund ist sonst nichts weiter bekannt.
Ausbildungen und Laufbahn: E. M. F. v. L. trat 1623 als Witwe 38-jährig unter der Äbtissin
Maria Magdalena (I.) von Schneeweiß (amt. 1620–1625; † 1631), ins Kloster ein. Über ihr
Leben, bevor sie diesen Schritt tat, ist bislang nichts ausgemacht worden. Am 30. Juni 1625
legte sie die Profess ab. Den Bestimmungen gemäß hatte sie nach einem Jahr ihres Kloster-
eintritts am 31. Mai 1625 ihr Testament gemacht. Haupterbe ihres nicht unbeträchtlichen
Vermögens war das Kloster. Im selben Jahr ist sie als Krankenmeisterin bezeugt, ein Amt das
ihr sehr am Herzen lag; noch als Äbtissin betreute sie die Kranken. Als der Erzbischof von
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Volume 1, A – H
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- biografiA.
- Subtitle
- Lexikon österreichischer Frauen
- Volume
- 1, A – H
- Editor
- Ilse Korotin
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1422
- Category
- Lexika