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der Äbtissin die Resignation verlangte, da sie mit der Durchsetzung der Trienter Beschlüs-
se, die den Klosterfrauen vor allem ein Leben in strenger Klausur inklusive der Äbtissin
abverlangte, und der Durchführung der damit verbundenen baulichen Maßnahmen nicht
zurande kam, wurde E. M. am 31. Dezember 1625 zur Äbtissin gewählt. Sie wollte zunächst
nicht in die Wahl einwilligen, was angesichts der ihr bevorstehenden Aufgaben, vor allem
den Schuldenberg des Klosters abzubauen, gut nachvollziehbar ist. Ihre Hauptaufgabe, die
völlige Umsetzung der Trienter Beschlüsse, nahm sie mit großem Ernst in Zusammenarbeit
mit dem Salzburger Erzbischof wahr. Sie setzte sich mit den Reformvorschriften des Kon-
zils intensiv auseinander und legte 1628 schriftlich ein 256 Seiten umfassendes an der Regel
Benedikts orientiertes Dokument vor (die „Reformations-Punkten“). Unter anderem wur-
den die Ämter neu geregelt und die Aufgaben umschrieben. In diesem Rahmen stellte sie
auch die Verwaltung der Bücher auf eine neue Grundlage. Sie ließ alle auf dem Nonnberg
vorhandenen Bücher von den Handschriften bis zu den Inkunabeln und der zeitgenössi-
schen Literatur zusammenstellen, auch solche, die im Besitz der Nonnen waren. Es wurden
Vorschriften für die Bücherpflege, den Leihverkehr und die Anschaffung der Bücher festge-
legt und erstmals das Amt einer „Liberey-Meisterin“ (Bibliothekarin) geschaffen. In ihren
Zuständigkeitsbereich fiel auch die Auswahl der Tischlesungen im Verein mit der Priorin.
Sie war auch dazu angehalten, die Ablegungen der Gelübde, die Vergabe der Ämter und die
Todesfälle in die dafür vorgesehenen Bücher einzutragen, eine Chronik zu führen und die
Einträge ins Totenbuch vorzunehmen; darüber hinaus war sie für den Gottesdienst zustän-
dig. Eine oder zwei Gehilfinnen waren ihr beigesellt, die so darauf vorbereitet wurden, ihre
Nachfolgerin zu werden. Die Neuregelungen stellten auch die Musikpflege am Nonnberg
auf eine neue Grundlage, die ob der strengen Klausur von den Stiftsdamen selbst bestritten
werden musste. Dies fand auch Ausdruck in der von E. M. veranlassten Freskierung des
Nonnenchors, wo auch musizierende Engel und Nonnen dargestellt sind (Husty 2003, 99,
Abb. 4 und 5). Zur Pflege des rechten Gottesdienstes wurden bereits 1627 fünf große Anti-
phonaria und zwei große Psalteria angeschafft. Die erste Bibliothekarin Maria Scholastica
Mörman von Schönberg († 1635) war gleichzeitig Chorregentin und Capellmeisterin.
Mit ihrem Wirken hat E. M. wesentlich zum Aufschwung und Ansehen des Klosters im 17. Jahr-
hundert beigetragen, was nicht zuletzt im Musikleben der Nonnbergerinnen manifest wurde.
Auch E. M. v. L. hat schließlich ihr Amt resigniert. Als im Sommer 1634 in Salzburg die Pest
grassierte und der Konvent sich auf Schloss Lerchen in Radstadt zurückzog, erkrankte sie dort
schwer. Am 5. Oktober 1634 legte sie ihr Amt nieder; am 26. November 1641 ist sie gestorben.
W.: Reformations-Punkten (Salzburg, Kloster Nonnberg, Stiftsarchiv, Hs. 8 184 IIIa)
L.: Bolschwing 1946, Esterl 1841, Hahnl 2003, Husty 2003, Schmidt-Sommer/Bolschwing
2002, Tietze 1913
Ingrid Roitner
Fleischer Friederike, geb. Mann; Rechtsanwältin
Geb. Wien, 11. 5. 1901
Gest. USA (?), 22. 6. 2001
Herkunft, Verwandtschaften: Vater: Dr. Oskar Mann, Sektionschef im Finanzministerium,
Ehemann: Dr.iur. Georg Fleischer (11. 1. 1904 Wien – 10. 7. 1953, Washington D. C., USA),
biografiA.
Lexikon österreichischer Frauen, Volume 1, A – H
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- biografiA.
- Subtitle
- Lexikon österreichischer Frauen
- Volume
- 1, A – H
- Editor
- Ilse Korotin
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79590-2
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1422
- Category
- Lexika