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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Page - 173 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung

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lung, nicht vonVorteil ist. Gewiß, er konnte auch hart, selbst eigen- sinnig und rücksichtslos sein, wenn es sich um die Verfolgung sach- licher und persönlicher Ziele handelte. Es fehlte ihm aber die ruhige Konsequenz, und oft dachte er sich in eine Sentimentalität hinein, die er vielleicht gar nicht sehr tief empfand, in der er sich aber gefiel und von der er sich oft leiten ließ. In den militärischen Wissenschaften tief bewandert, schuf er sich selbst ein Sj^stem und galt namentHch auf taktischem Gebiete un- bestritten als Autorität. Doch just darin kann ihm die Anerkennung nicht vorbehaltlos zuerkannt werden. Wenngleich seine Grundsätze durchaus richtig waren, übertrieb er in praxi das offensive Prinzip, wodurch Oberflächlichkeit in die taktische Detaildurchführung hinein- gebracht wurde, die mit der Waffenwirkung höchst summarisch ver- fuhr. Dies übertrug sich in progressiver Weise auf alle Mitglieder des Generalstabes und hierdurch auf die ganze Armee. So kam's, daß die Manöver trotz ihrer Freizügigkeit alles eher denn ein Spiegelbild desErnstfalles botenund mit deran denmilitärischen Schulen gelehr- tenTheorie nicht im Einklänge standen; erst dieharteOpferfordernde Schule des Krieges wies hier die richtigen Bahnen. Der Einfluß, den Conrad in szientifischer und technischer Hin- sicht auf den Generalstab nahm, ließ zweifellos dem Fortschritt freien Weg. Sonst aber, vor allem in charakterlicher Hinsicht, entwickelte sich der Generalstab nicht im guten Sinne, und speziell die von Conrad zugelassene geheime Qualifikation und dis- krete Berichterstattung förderte die ohnehin bestandene Neigung zu Einflüsterung imd Hinterträgerei. Dies lag gewiß nicht in Conrads Absicht; doch die nimmermüde Ehrsucht und die Streberei, von der so viele Mitglieder des Korps erfüllt waren, sahen darin die geeignetste Bahn, das gewünschte persönliche Ziel rasch zu erreichen. Daraus entstanden große sachliche Schäden, die sich besonders im Welt- kriege geltend machten. Eine Reihe von Mißgriffen, großenteils her- vorgerufen durch die dem Generalstab zur Gewohnheit gewordene Eigenbrödelei, waren direkt darauf zurückzuführen. Auch in der Wahl seinerMitarbeiter hatteConrad nichtimmerGlück, waserletzten Endes an sich selbst erfahren mußte. Die ihn umgebende imd ihn immer mehr einschnürende, in allen hohen Kommanden verästelte Clique, war in der ganzen Armee ebenso unbeliebt wie gefürchtet; späterhin—imKriege— auchvon einerschierunbeschränktenMacht- fülle. Über Conrad von Hötzendorfs Wirken und Ziele, über seine Er- folge und Mißerfolge geben diese Zeilen meiner Meinung nach voll- kommen objektiv Auskunft. Und ich würde wünschen, daß dieselbe
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
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