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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Page - 180 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung

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tlial. Eine wiederholt eingelegte Walze mit wenig Modulation. Frie- densschalmeien auf dieser besten aller Welten. Der hohe Ausschuß zeigte sich höchst befriedigt. Dann kam ichund redete mir alles vom Herzen. In mehr als einstündiger Rede legte ich unsern ganzen mili- tärischen Jammer bloß. An der Hand statistischer Daten bewies ich, daß wir mit den militärischen Rüstungen seit altersher absolut und relativ nachhinkten und uns von allen Mächten distanzieren ließen, (Das berüchtigte: „Toujours en retard d'une armee et d'une idee!") Ich sagte, daß das Militärwesen unser Aschenbrödel, und daß das Beamtenwesen das weitaus prävalierende Element sei. Österreich- Ungarn hatte zu jener Zeit ein Beamtenheer von 800 000 Personen, also fast so viel, als derKriegsstand des gemeinsamenHeeres betrugt). Der Effekt meiner Worte war unleugbar, aber nur in der Rich- tung, daß man mich in den weitesten Kreisen einen gefährlichen, zum mindesten aber höchst unbequemen Verwalter des Kriegs- ressorts nannte. Einer der maßgebenden ungarischen Delegierten wollte, daß diese Sitzung nachträglich geheim erklärt würde, wo- gegen ich sofort Einspruch erhob. Unsere eventuellen Feinde, die es nicht wissen sollten, waren doch über alle Tatsachen vollständig orientiert, und die eigene Bevölkerung sollte doch nicht ewig in den Glauben eingelullt werden, daß sie für die Wehrfähigkeit der Mon- archie die schwersten Opfer bringe. lycbhafte Widersacher erwuchsen mir. Ungarischerseits war es in erster I^inie der Abgeordnete Heltai Ferenc, ansonsten Regierungs- mann, der mich scharf aufs Korn nahm. Er forderte peremptorisch die Erklärung, ob ich den Schönaichschen Pakt einhalten wolle oder nicht. Ich versprach es, solange ich dazu verpflichtet sei, entgegnete aber, die Delegation würde mich wohl selbst davon befreien, wenn ^) In einer im Sommer 1913 tmter dem Titel ,.Bilanz des Balkankrieges" von mir anonym verfaßten Broschüre sagte ich: ,,Der österreichische oder der tmgarische Finanzminister, der händereibend von einer Ministerkonferenz kommt, in der es ihm gelang, die von der Heeresverwaltimg als imbedingt not- wendig gefordertenAnsprüche zurückzuweisen, hat nvir den Nachweis erbracht, daß ihm die Eigenschaft zum Finanzpolitiker fehlt. Denn die Summen, die er am Konferenztisch nicht bewiUigen will, zu einer Zeit, da man für Deckimg systematisch und in aller Riüie hätte vordenken können, die werden dami mit einem Male gebraucht mid verausgabt, wenn die Konjimkturen hierfür am allerimgünstigsten hegen und wo sie dann oft überhastet imd ohne Wahl verwendet werden müssen. Vor allem aber geschieht es nur zu leicht, daß dtirch die im gegebenen Momente fehlende volle Kriegsbereitschaft des Heeres schwankende oder zagende Entschlüsse der obersten L,eitiuig sich geltend machen mid hierdm-ch der Volkswirtschaft indirekt Summen ent- zogen werden, gegen welche die ursprüngüch angeforderten eine Kleinigkeit bedeuten. Gerade Österreich-Ungarn hat das einigemal miterlebt imd mit- erlittentmd leidetdarannoch beständig." 180
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
Geschichte Nach 1918
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang