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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Page - 186 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung

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Dieser spontane Besuch wurde alsbald allgemein bekannt und er- regte bei unsern Verhältnissen großes Aufsehen. In Ungarn schmähte man mich als eigenthchen Verteidiger der Kronrechte, also als Stein des Anstoßes. Die öffentliche Meinimg in diesem Lande wurde gegen mich mobilisiert, und im Abgeordneten- hause fand eine große Konferenz der maßgebenden Gruppen statt, die sich alle auf die Resolution einigten. Selbst Tisza hielt eine stim- mimgsvolle Rede imd erklärte mich in Acht und Bann. Der Jour- nalist Palyi schrie unter riesigem Tumult, er werde das Vaterland gegen jedermann, also auch gegen Auffenberg, verteidigen. Alle Blätter, mit Ausnahme jener der äußersten Linken, wetterten gegen mich. Und um den Hexensabbath voll zu machen, erschien im ,,Pester Lloyd" ein Leitartikel, darin aller Welt mitgeteilt wurde, daß ich zur Zeit, als ich in Györ Brigadier gewesen, einMemorandum^) mit Skizzen und Plänen verfaßt, das den Einmarsch in Ungarn und die Niederwerfung der Magyaren verlangt hatte. Dieses Memoran- dum, das kurzweg, doch sachlich unrichtig, das ,,Einmarschmemoran- dum" genannt wurde, wollte man im ,, geheimsten Fach" des Kriegs- ministers wissen. Dies wirkte wie ein BHtzschlag in ein Pulverfaß, und damals hätte ich es wohl nicht versuchen dürfen, einen Fuß nach Ungarn zu setzen. Ich wurde dort der verlästerte Held aller Tingel-Tangel, in deren einem man sogar mein Bild verbrannte. Die satirischen Blätter bemächtigten sich natürlich meiner Person, einige davonsogarinwohlwollenderWeise. Dagegenwünschtenmichmanche österreichischen Blätter als Verteidiger der Kronrechte zu Tod imd Teufel. Besonders standhaft blieben nur die ,,Neue Freie Presse" und die ,,Grazer Tagespost" an meiner Seite. Ich kam mir wie der heilige Sebastian vor, da sogar amtiiche Stellen ihre Pfeile gegen mich abschössen. Es war auch noch nie dagewesen, daß ein gemein- samer Kjiegsminister gegen einen ungarischen Ministerpräsidenten und seine Partei Stellunggenommen hätte. In ihrem Zorn erklärten ^) Um welches Memorandvun es sich handelte, ist im Kapitel VIII zu er- sehen. Dieses befand sich auch tatsächhch seit drei Jahren im Geheimschrank des IMinisters, zudem nur er den Schlüssel hatte. Der Pester „Lloyd" brachte auch über die äußere Form, Seitenzahl usw. richtige Daten, während er sich überden Inhaltmu: invagenAndeutungen erging. Essah aus, als hätte jemand,^ der das Elaborat einst flüchtig gelesen, darüber aus der Erinnerung Angaben gemacht. Ich heß sekrete Recherchen durchführen imd eswtirde konstatiert, daß der Journalist Palyi das in befindhcheHeim einerhohen Per- sönüchkeit, die das Memorandum kannte, zu später Abendsttmde verlassen mid daraufim vmgarischen Gebäude in der Bankgasse eine lange telephonische Unterredimg mit Budapest geführt hatte. Gegen den im ,,Pester Lloyd" erschienenen Artikel nahm Schönaichs Vor- gänger, Br. Pittreich, Stellung, der als Kriegsminister fungiert hatte, als ich in Györ Brigadier gewesen war. l86
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
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