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Nach 1918
Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung
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Page - 192 - in Aus Österreichs Höhe und Niedergang - Eine Lebensschilderung

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nische Artillerie zu schaffen, deren erster Vertreter der ausgezeichnete General Pucherna war. Zu jener Zeit erfolgte auch der Besuch des Königs Ferdinand von Bulgarien und des alten Nikita von Montenegro an unserem Hof. Der Montenegriner hatte sich eben zur Königswürde erhoben und erhielt bei seiner Antrittsvisite von unserm Kaiser das Regiment 55. (Das diesbezüghche Patent wurde von mir gefertigt und prangte im Konak von Cetinje, wo es unsere Truppen fanden, als sie 1916 die Stadt besetzten.) Ohne daß man damals bei uns eine Ahnung davon hatte, waren die beiden zu Besuch weilenden Herrscher in die früher erwähnte Balkanföderation eingetreten. Gleichwohl Überflossen sie von Wohlwollen, Deferenz und Loyalität. Besonders Ferdinand von Bulgarien, dieser geriebenste aller Balkanpotentaten, konnte sich an Liebenswürdigkeit nicht genug tun, desgleichen an Geziertheit, darin er Meister war. Nikita bot als österreichischer Oberst das typische Bild des alten Offiziers aus weiland der Militärgrenze, der das Hof- zeremoniell und die Uniform ein wenig lästig empfand. Tags darauf passierten die vereinten Automobil- und Motozycles- korps Revue vor unserm Kaiser und dem König von Montenegro. Bei der Besichtigung entluden sich Blitz, Donner und ein mächtiger Wolkenbruch über Schönbrunn. Der Kaiser stand auf der offenen Schloßterrasse, bis zu den Knöcheln in der herunterstürzenden Sint- flut. Nebenihm der mitSchnupfen behafteteBeherrscher der Schwar- zen Berge, der dieSituation höchst ungemütlich empfand. Sein Leib- arzt, ein gebürtiger Franzose, geriet außer sich. ,,Mais, mon Dieu, c'est un malheur, c'est pis qu'un crime!" Doch alles Jammern half nichts. Franz Josef blieb unerschütterlich auf seinem Posten, und wir alle wurden pudelnaß. Während des Galadiners saß ich neben unserm Gesandten in Cetinje, Feldmarschalleutnant Baron Giesel, Kr klagte, daß ihm so wenig Mittel zur Disposition stünden, um bei König und Volk ,,Propaganda" für uns zu machen, indes der russi- sche Rubel gleich einem Landregen hereinströmte. Welch großer poHtischer Fehler! Meiner Ansicht nach hätte man das militärisch so schwer zu bekämpfende Montenegro mit allen Mitteln ,, gewinnen" müssen. Die kostspieligen Befestigungsanlagen, die relativ großen Truppenmassen, die man unter höchst ungünstigen Verhältnissen, rein zum Schutze des eigenen Landes, in der Herzegowina und in Dalmatien dislozierte, wären anders aufgewendet viel zweckdienlicher gewesen. In jenen Tagen sprachen bei mir häufig Politiker vor. Die Polen unter derFühnmg des Krakauer Stadtpräsidenten und Abgeordneten Dr. Leo. Sie baten um Begünstigungen bei Heereslieferungen für 192
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Aus Österreichs Höhe und Niedergang Eine Lebensschilderung
Title
Aus Österreichs Höhe und Niedergang
Subtitle
Eine Lebensschilderung
Author
Auffenberg von Komarów
Publisher
Drei Masken Verlag München
Location
München
Date
1921
Language
German
License
PD
Size
13.4 x 21.6 cm
Pages
536
Categories
Geschichte Nach 1918
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